Bergpredigt auf dem Buchberg
ökumenische Sternwanderung, 11. September 2004


Nach einer kurzen Einführung in das Thema der Sternwanderung und der Vorbereitung der Fürbitten


brachen wir zum Buchberg auf. Wir wählten den Anstieg über die Elisabeth Straße

 

Aus allen Gemeinden Klosterneuburgs waren Leute gekommen


Jede Pfarre


gestaltete einen Teil des Wortgottesdienstes


Als Symbol für das, was uns im Leben Halt gibt, nahmen wir jeder einen Stein mit
   

 

Zum Abschluss des Wortgottesdienstes hörten wir ein "Vater unser"


mit verteilten Rollen:

der liebe Gott

ein Betender


Betender: Vater unser im Himmel...
Gott: Ja?
Betender: Unterbrich mich nicht! Ich bete.
Gott: Aber du hast mich doch angesprochen!
Betender: Ich dich angesprochen? ... 
Eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel.
Gott: Da schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also worum geht's?
Betender Geheiligt werde dein Name... 
Gott: Meinst du das ernst? 
Betender Was soll ich ernst meinen?
Gott: Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?
Betender Es bedeutet - es bedeutet - 
meine Güte, ich weiß nicht, was das bedeutet! Woher soll ich das wissen?! 
Gott: Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass ich für dich wertvoll bin. 
Betender Aha. Hm. Ja, das verstehe ich. 
Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden ... 
Gott: Tust du was dafür?
Betender Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe jeden Sonntag in die Messe, ich zahle Kirchenbeitrag und spende für die Mission. 
Gott: Ich will mehr: dass dein Leben in Ordnung kommt; dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen werde, auch deinem Vermieter und deinem Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich. 
Betender Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele in die Kirche gehen und das nicht tun?
Gott: Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Reich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst, wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein ... 
Betender Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt weiter beten? 
Unser tägliches Brot gib uns heute ... 
Gott: Zu essen hast du ja genug. Aber ich will dir geben, was du zum Leben brauchst. 
Betender Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern ... 
Gott: Und Heinz?
Betender Heinz? Jetzt fang auch noch mit dem an! Du weißt doch, daß er mich öffentlich blamiert hat, daß er mir jedesmal dermaßen arrogant gegenübertritt, daß ich schon äußerst wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen macht. Und das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf der Nase herum, dieser Typ hat... 
Gott: Ich weiß, ich weiß. Und dein Gebet?
Betender Ich meinte es nicht so.
Gott: Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit soviel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?
Betender Es macht mich krank!
Gott: Ich will dir helfen. Vergib Heinz, und ich vergebe dir, dann ist Arroganz und Haß Heinz' Sache und nicht Deine. Vielleicht verlierst du Geld; ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen. 
Betender Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.
Gott: Ich helfe dir dabei.
Betender Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen ... 
Gott: Nichts lieber als das! Melde bitte Personen und Situationen, durch die du versucht wirst.
Betender Wie meinst du das?
Gott: Du kennst doch deine Schwachpunkte. Unverbindlichkeit, Umgang mit dem Geld, Aggression, Erziehung ...  Gib dem Versucher keine Chancen! 
Betender Ich glaube, das ist das schwierigste "Vater unser", das ich je gebetet habe. Aber es hat etwas mit mir und meinem alltäglichen Leben zu tun. 
Gott: Schön! Bete ruhig weiter.
Betender Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen.
Gott: Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie selbst glücklich macht.



Das 'Vater Unser'... zum persönlichen Nachdenken
(Unterbrich mich nicht, Herr, ich bete!)

 


12. September 2004 / me Seite ausdrucken zum Seitenanfang

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