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Einmal pro Monat wird der
Sonntagsgottesdienst um 9.30 von Familien der Pfarre gestaltet. Den
für diese Messe vorbereiteten Meditationstext wollen wir Ihnen hier zum
Nachlesen anbieten.
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Meditationstexte ab 2006 |
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Meditationstexte 1999 bis 2005
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6. November 2005 |
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Vae soli
Weh dem, der einsam ist!
Denn zwei sind stets einander nütze.
Wenn einer strauchelt, hat er Stütze.
Wenn einer friert, so wärmt der Freund.
Und alles trägt sich leicht vereint.
Weh dem, der einsam ist!
Weh dem, der einsam ist!
Er kann in keinen Lebensläufen ,
nach hilfsbereiten Händen greifen.
Und wenn er einmal glücklos fällt,
ist nichts und niemand, der ihn hält.
Weh dem, der einsam ist!
Weh dem, der einsam ist!
Wie ich allein bin, diese schweren Stunden!
Wer lindert mir die Qual der Wunden?
Und drückt mir sanft das Auge zu
beim Eingang in das Reich der Ruh?
Weh dem, der einsam ist.
aus
Roman Karl Scholz:
"Ich werde immer bei Euch sein"
Mayer & Comp. Verlag
ISBN: 3-90 10 25-29-4
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02. Oktober 2005 |
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INSERAT
Ein Mensch wird gesucht,
einer unter drei Milliarden:
Größe und Aussehen unwichtig,
Bankkonto und Wagentype nebensächlich.
Geboten wird
eine interessante Tätigkeit.
Gefordert wird
unmenschlich viel:
Mehr hören
als reden,
mehr verstehen
als richten,
mehr helfen
als klagen.
Ein Mensch wird gesucht.
Für Dankbarkeit
wird keine Garantie übernommen.
Sollten Sie
sich der Arbeit gewachsen fühlen,
melden Sie sich bitte
so bald wie möglich
beim Nächstbesten!
aus
"In vielen Herzen verankert"
von Martin Gutl
ISBN 3-222-13163-5
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11. September 2005 |
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Bubenmutter
Bubenmutter
sein kann heißen,
eine Zeitlang täglich unzählige Male Sand aus Hosenbeinen zu
schütteln.
Bubenmutter
sein kann heißen,
trotz bemühter Friedenserziehung das Brot zur Pistole gebissen und die
Zeitung zur Pistole gerissen zu sehen.
Bubenmutter
sein kann heißen,
sich an ein Kind zu gewöhnen, das sich ausschließlich auf Rädern
fortbewegt: auf dem Trittroller, dem Dreirad, dem Tretauto, dem
Skateboard, dem Fahrrad, dem Moped, dem Motorrad, dem Auto.
Bubenmutter
sein kann heißen,
eine laute und schrille Stimme zu entwickeln und Endlosdiskussionen zu
führen.
Bubenmutter
sein kann heißen,
stürmisch umarmt zu werden, aber plötzlich mit vernichtender Verachtung
gestraft zu werden.
Bubenmutter
sein kann heißen,
Pop-, Rock- und Hardrockmusik in Überlautstärke anhören zu
müssen.
Bubenmutter
sein kann heißen,
nicht vor plötzlicher Veränderung der Kellerräume
zurückzuschrecken.
Bubenmutter
sein kann heißen,
am Krankenbett vor einem Bündel Verband zu sitzen und leidvoll zu
murmeln: "Es ist noch einmal gut gegangen."
Bubenmutter
sein kann heißen,
Telefonanrufe von Mädchen zu vermitteln oder abzuwehren.
Bubenmutter
sein kann schließlich heißen,
plötzlich einem erwachsenen jungen Mann gegenüberzusitzen, der der
eigene Sohn ist und die Welt verändern möchte.
nach
Elisabeth Schöffl-Pöll:
"Abenteuer Ehe und Familie"
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5. Juni 2005 |
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Aus sich selbst herausgehen
Es
ist einfach, unnahbar zu sein.
Man braucht sich nur von den anderen
Menschen fernzuhalten und wird so niemals leiden. Wir ersparen uns so die
Risiken, die Enttäuschungen, den Traum von einer Liebe, der sich nicht
erfüllt.
Es
ist einfach, unnahbar zu sein.
Wir brauchen uns nicht um die Telefonate zu
kümmern, die mit Menschen gemacht werden müssen, die unsere Hilfe,
unsere Unterstützung brauchen.
Es
ist einfach, unnahbar zu sein.
Wir brauchen nur so zu tun, als lebten wir
in einem Elfenbeinturm, und wir werden nie eine Träne vergießen. Wir
brauchen nur bis zum Ende unseres Lebens eine Rolle zu spielen.
Es
ist einfach, schwer zugänglich zu sein.
Man braucht nur das Beste am
Leben aufzugeben.
Paulo
Coelho:
Unterwegs / Der Wanderer
ISBN 3-257-05700-8
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1. Mai 2005 |
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Fürbitten
Liebe
Brüder und Schwestern im bittenden Gebet wollen wir uns gemeinsam an
Jesus Christus wenden
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Wir
bitten für alle getauften und gefirmten las sie durch deine Kraft und
deinen Beistand den richtigen Lebensweg finden und treu zu dir stehen.
-
Wir
bitten dich lass die Menschen ohne Furcht vor Krieg und Katastrophen
ohne Angst vor Unterdrückung in Freiheit und in Sicherheit leben.
-
Wir
bitten dich, stärke alle Christen bei ihren Aufgaben in der Familie
und der Gemeinde kurz bei ihrem Dienst am nächsten.
-
Hilf
den Menschen die krank, verlassen, einsam sind und gib ihnen Kraft ihr
Kreuz anzunehmen und zu (er)tragen.
-
Nimm
alle unsere verstorbenen Freunde und Angehörigen zu dir und lass sie
RUHEN in dir.
Guter
Gott Du willst die Welt zum geheilten Leben führen, sende uns deinen
Geist immer wieder neu und gib uns DEINEN Frieden.
Meditation
Sende
mir den Beistand den Geist der Wahrheit
Bin
ich ein Christ?
Oder
nenne ich mich
Nur versehentlich
Einen Christen?
Nenne
ich mich einen Christen,
obwohl mein Feuer erloschen ist
und ich mich nur mehr über die Asche des Feuers freue?
Nenne
ich mich einen Christen,
obwohl ich mich an Menschen hänge,
die zu Asche geworden sind?
Nenne
ich mich einen Christen,
obwohl ich nicht im Traum daran denke,
auf dem Weg Jesu Christi zu gehen?
Nenne
ich mich einen Christen,
obwohl für mich satte Behäbigkeit
dasselbe wie Christentum ist?
Nenne
ich mich einen Christen,
obwohl ich meine erste Liebe,
meinen Glauben meinen Christus vergessen habe?
Herr
sende mir den verheißenen Beistand,
den Geist der Wahrheit.
Nach Dirnbeck Gutl:
Ich wollte schon immer mit dir reden
Meditationstexte
StyriaVerlag 1980
ISBN 3 222 11148 0
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3. April 2005 |
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Wohnen
Sebastian sitzt am Gartentisch und schaut die leere Heftseite an.
Zehn Sätze mit "wohnen" soll er aufschreiben. Das O und das H in "wohnen" darf er bunt ausmalen. Sebastian schreibt: Die Maus wohnt im Mauseloch. Die Grille wohnt im Grillenloch. Die Fledermaus wohnt auf dem Dachboden. Dann fällt ihm nichts mehr ein.
Er schaut im Garten herum. Er schaut zum blauen Himmel hinauf. Er schreibt: Die Sonne wohnt am Himmel.
Und wo wohnt der Himmel?
Überall, wo nicht gerade Erde ist. Aber ganz bestimmt im Nachbarsgarten, in Tante Elkes Gartenteich. Der leuchtet blau zwischen den Binsen. Sebastian schreibt: Der Himmel wohnt im Teich. Er malt die O rot aus und umrandet die H in "wohnen" mit dem gelben Stift.
Dabei fällt ihm etwas auf. Das O wohnt in "wohnen"! Von nun an geht alles leicht. Er schreibt: Das O wohnt im Mauseloch. Das O wohnt im Vogelnest. Das O wohnt in Sonne und Mond. Das O wohnt in Gott.
Ein Satz fehlt noch. Wo wohnt Gott? Sebastian runzelt die Stirn, so fest muss er nachdenken.
Gott wohnt überall. Gott wohnt, wo er will, bei Menschen und bei Tieren, zwischen den Steinen und in den Glockenblumen. Überall? Der Herr Bärmann auf Stiege 6 hat gesagt: "Gott kann mir gestohlen bleiben!" Kann Gott bei Herrn Bärmann wohnen, wenn der so unzufrieden ist mit ihm?
Sebastian überlegt. Er stellt sich vor, dass Gott heimlich bei Herrn Bärmann wohnt; denn er will dem Bärmann nicht auf die Nerven gehen.
Aber so einen langen Satz mag Sebastian nicht schreiben. Wo wohnt Gott besonders gern? In Jesus, seinem Sohn, und mit Jesus im heiligen Brot. Das weiß Sebastian von der Religionslehrerin.
Aber es muss doch noch mehr Lieblingsplätze für Gott geben.
Bestimmt wohnt Gott sehr gern bei Leuten, die vergnügt miteinander essen. Er wohnt in Kindern, die miteinander spielen; da ist er auch vor und hinter ihnen, drüber und
drunter und rundherum und spielt mit, ohne dass die Kinder ihn sehen. Gott wohnt auf jeden Fall in Papa und Mama, wenn die einander umarmen; dann ist
Gott zwischendrin.
Sebastian nimmt die Füllfeder und schreibt: Gott wohnt im Zwischendrin.
Dann malt er das O und das H hübsch an.
Aber etwas geht ihm noch ab bei diesem letzten Satz.
Sebastian malt eine goldene Sonne um jeden i-Punkt, drei goldene Sonnen.
So ist es nun ein ganz besonderer schöner Satz geworden.
Aus dem Buch:
Anna und Sebastian
Geschichten zum Lesen und Weiterdenken
von Lene Mayer-Skumkanz
Verlag Herder 2003
ISBN 3-451-28183-X
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6. März 2005 |
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Du führst uns
Wie unterschiedlich
du Menschen führst,
die sich dir anvertrauen!
Wie zart du in der Stille
zu uns sprichst!
Wie einfühlsam
du uns begleitest!
Wie entschieden du
aber auch etwas verlangen kannst
mit der ganzen Autorität
des All-Liebenden.
Wie demütig
du oft vor unserer Tür wartest,
bis wir nach einer Zeit
der Verschlossenheit und Verbitterung
dir wieder trauen
und dich wieder einlassen.
Denn du kannst warten
wie keiner.
Meditation von Martin Gutl
aus "Ich bin bei dir", Styria-Verlag, Graz 2001
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23. Jänner 2005 |
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Wo ist dein Gott?
Wo ist dein Gott, wurde ich gefragt, als die
Flutwelle in Südostasien so viele Menschenleben auslöschte.
Was ist das für ein Gott, der zulässt, dass hunderttausend Kinder ihre
Eltern und hunderttausend Eltern ihre Kinder verlieren?
Warum hat Gott diesen Menschen nicht geholfen, als die Flutwelle über sie
hereingebrochen ist?
Welcher Gott, lässt Millionen der Menschen, die er angeblich so liebt,
ohne Dach über dem Kopf und ohne einen Bissen zwischen den Zähnen zurück?
Was ist das für ein Gott der Liebe, wenn er zweihunderttausend
Menschenleben so einfach auslöscht?
Wo ist dein Gott, wenn so viele Menschen seine Hilfe benötigen?
Dort wo Menschen, die gerade alles verloren haben, einem anderen ihr
letztes Hemd geben, damit dieser nicht friert, dort ist Gott!
Dort wo jahrelange Feinde einander im Angesicht der Katastrophe die Hand
reichen und einander froh umarmen, weil der andere noch lebt, dort ist
Gott!
Dort wo Militärschiffe Verwundete versorgen und Bomber Hilfsgüter
abwerfen, dort ist Gott!
Dort wo in wenigen Tagen mehr Geld gespendet wird als im ganzen Jahr davor
zusammen, dort ist Gott!
Dort wo den Trauernden aufrichtiger und ehrlich gemeinter Trost gespendet
wird und Familien wieder zusammenrücken, dort ist Gott!
Dort wo Vertreter aller fünf Weltreligionen gemeinsam ihren Lieben
gedenken und friedlich miteinander beten, dort ist Gott!
Dort wo die Hoffnung besteht, dass unsere Welt friedlicher und besser
wird, weil Menschen im Angesicht ihrer eigenen Vergänglichkeit zuerst
miteinander reden und sich nicht bekriegen, dort ist Gott!
Andreas Tichy |
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9. Jänner 2005 |
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Anselm Grün schreibt zu der Schriftstelle:
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich mein Wohlgefallen."
Das gilt auch für dich. Wenn du aus
den Fluten deiner Schuld und aus den Wassern deiner Angst empor schaust
zum Himmel, öffnet sich auch über dir der Himmel. Dein Herz wird weit.
Du hörst aus dem offenem Himmel das Wort Gottes, das dir bedingungslose
Daseinsberechtigung zusagt: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte
Tochter. An dir habe ich mein Gefallen. Ich liebe dich so wie du bist. Du
musst dich nicht erst selbst gerecht machen. Du brauchst dir eine
Darseinsberechtigung nicht zu erkaufen. Du darfst sein, weil ich dich mag.
Du gefällst mir wie du bist."
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5. Dezember 2004 |
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Die Kunst, richtig zu schenken
Weihnachten ist die Zeit, sich gegenseitig zu
beschenken. Du weißt, wie gut das tut: jemandem etwas schenken, der sich
darüber von Herzen freuen kann. Geschenke dürfen kein Tauschhandel
werden, kein Geschäft mit dem Hintergedanken, sich Menschen zu
verpflichten, sie gewogen oder gefügig zu machen. An solchen Geschenken
erstickt alle Freude und Freundschaft.
Es ist eine große Kunst, richtig zu schenken, und
es ist eine noch größere Kunst, richtig anzunehmen. Vielleicht ist es
eine Kostbarkeit, die du bekommst, vielleicht nur eine Kleinigkeit. Sei
dir auf jeden Fall bewusst, dass sich da ein lieber Mensch Gedanken
gemacht hat, dass er etwas sorgsam ausgesucht und eingepackt hat, um dir
eine Freude zu machen. Du bist nicht vergessen.
Hunderte andere werden vergessen, sie bekommen nie
etwas, keiner denkt an sie. Sei also froh, wenn dich jemand gern hat und
an dich denkt. Sei dankbar. Und dann gib auch zu erkennen, dass du es zu
schätzen weißt, auch wenn es eine Kleinigkeit ist.
Es ist nie zu spät, sich zu versöhnen.
Denn es ist nie zu spät, zu lieben.
Es ist auch nie zu spät, glücklich zu sein.
PHIL BOSMANS
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7. November 2004 |
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Dass unser Leben mehr werde
Herr,
dass unser Leben mehr werde als
ein hektischer Ablauf von Stunden, Tagen,
Jahren und Jahrzehnten,
danach sehnen wir uns;
nach Sinn und Erfüllt - sein.
Herr,
dass unser Leben mehr werde als
ein ungeordneter Haufen von Gedanken, Wünschen,
Begierden und Erwartungen,
danach sehnen wir uns:
nach Sinn und Ziel.
Herr,
dass unser Leben mehr werde als
eine zufällige Reihe von Handlungen, Taten,
Werken und Leiden,
danach sehnen wir uns:
nach Sinn und Gelingen.
Herr,
dass unser Leben mehr werde als
ein verworrenes Knäuel von Beziehungen, Sympathie,
Miteinander und Gegeneinander,
danach sehnen wir uns: nach Sinn und Liebe.
Herr,
dass unser Leben mehr werde,
die Erfahrung von Sinn darin sei,
danach sehnen wir uns,
darum bitten wir.
Amen
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3. Oktober 2004 |
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Erfüllte Zeit
Ein
armer Mann hatte einst eine schlechte Tat begangen. Er beschloss, mit einer
Bettelschale und einem Stab zur Mutter Ganga zu pilgern und sich an ihren
Ufern reinzuwaschen. Nach tagelangen Wanderungen kam er an einen kleinen Fluss
und rief freudig: „O Mutter Ganga, ich bin zu dir gekommen, um mich von
meinen Sünden reinzuwaschen!“ Jeden Tag badete er mit Inbrunst und büßte
seine Schuld mit Gebeten. Eines Tages kam ein berühmter Asket vorbei, der den
Mann eine Weile beobachtete und ihn dann auslachte: „Was redest du dieses
Rinnsal mit Mutter Ganga an, verschwende deine Zeit nicht an einem nutzlosen
Fluss, geh doch zur Ganga, sie ist weit von hier!“ O, dachte der einfältige
Mann, dies ist nicht die Ganga, und nahm den Stab und die Bettelschale und
machte sich erneut auf die Wanderschaft. Er kam zu einem mächtigen Fluss.
„O Mutter Ganga, wie schön du bist“ rief er. Wieder begann er täglich zu
baden und sich zu reinigen. Erneut kam ein mächtiger Asket vorbei, sah ihn
und rief ihm zu: „Was verschwendest du deine Zeit hier, wenn es doch die
Ganga gibt, die weit von hier fließt!“ Wieder machte er sich auf die
Wanderschaft. So besuchte er zahllose Flüsse. Weil sie immer größer wurden,
dachte er jedes Mal, er habe die Ganga nun erreicht, und fühlte sich glücklich.
Bis schließlich ein Asket kam und ihm die Täuschung nahm. Alt und
sterbenskrank geworden, kroch er auf einen Hügel und erblickte vor sich die
Mutter Ganga. Sein Herz brach und er starb, ohne je die Ganga erreicht und in
ihr bebadet zu haben.
In
der Unterwelt angekommen, frage Yama, der Todesgott: „Was liegt gegen ihn
vor?“ „Er hat eine Sünde begangen, sie aber in der Ganga gesühnt“,
sprach Chitragupta, der Buchhalter von Yama. „Herr, ihr irrt“, rief der
einfältige Mann, „ich habe die Ganga nie erreicht!“
Da
lächelte Yama und sprach: „Wenn ein Mensch aufrichtig fühlt und denkt und
sein Streben in eine Richtung geht, ist es nicht wichtig, ob er das, nach dem
er strebt, auch erreicht. Das Streben ist genug, um ihn von allen Sünden zu
befreien. Seine Liebe zur Ganga und sein ehrliches Vertrauen in ihre Kraft
machen alles andere unwichtig.“
Aus:
Anjali und R. Sriram:
„Yoga
und Gefühle – Mit allen Sinnen leben“, Theseus-Verlag
Quelle:
ORF Religion, 25.07.2004 07:05 - 08:00 Österreich1
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12. September 2004 |
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"Guten Tag", sagte der kleine Prinz.
"Guten Tag", sagte der Händler.
Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede
Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr, zu trinken.
"Warum verkaufst du das?" fragte der kleine Prinz.
"Das ist eine große Zeitersparnis", sagte der Händler. "Die Sachverständigen
haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der
Woche."
"Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?"
"Man macht damit, was man will ..."
"Wenn ich dreiundfünfzig Minuten hätte", sagte der kleine Prinz, "würde ich
ganz gemütlich zu einem Brunnen laufen ..."
Antoine de Saint-Exupéry |
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6. Juni 2004 |
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Jahreszeiten
Mögest du immer die Augen öffnen:
für den blühenden Frühling,
für den gedeihenden Sommer,
für den reichen Herbst,
und für den beschützenden Winter.
aus dem Buch "Möge die Freude das
ganze Jahr mit dir sein" |
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9. Mai 2004 |
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Guter Hoffnung sein
Guter Hoffnung sein:
eine Zeit der Vorfreude, des Wartens
eine Zeit der Sorge, des Alleinseins
Guter Hoffnung sein:
werde ich der Aufgabe gewachsen sein?
nicht bleibt wie es ist
Guter Hoffnung sein:
Zeit der Abhängigkeit
Zeit der Angst vor dem, was kommt ...
Guter Hoffnung sein:
Hoffen auf ein Familienglück
Zeit des Segens
Guter Hoffnung sein:
Zeit des Umbruchs
neues Leben
Guter Hoffnung sein
- auf deine Hilfe will ich hoffen, mein
Gott
Margit Hanzal
2004 |
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7. März 2004 |
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O Gott,
Ich wollte schon immer mit dir reden, ich wollte
beten, mit eigenen Worten, mit den Worten anderer, beten mit Formeln, Gebete
aufsagen. Ich wollte etwas leisten vor dir, denn ich habe keine Geduld, so
lange zu hören, und du brauchst oft so lange, bis du dich aussprichst in
mir, bis du ankommst mit deiner Stimme.
Vielleicht ist es, weil ich so weit weg bin und so
verstrickt in meine Sorgen.
Bis sie abklingen, meine Gedanken, bis sie sich
langsam zurückziehen, braucht es lange, und da fehlt mir die Geduld.
O Gott, es fehlt mir die Geduld, mich aufzutun.
Doch ab und zu hast du mich überrascht.
Ich bin einfach nur dagesessen und hatte keine Lust
zum Reden, und ich war einfach offen.
Ich war einfach nur da, und ich tat nichts, gar
nichts, ich wartete nur.
Da erfuhr ich, wie schön es ist, wenn du BIST.
Ich hatte es vorher nicht erfahren, solange ich nicht
begriffen hatte, was beten ist.
Beten ist nicht Worte machen.
Beten ist stilles Lieben und sich lieben lassen;
Beten ist hören und spüren, dass du nahe bist, o Gott.
Martin Gutl
Aus „Ich wollte schon immer mit dir reden“
Meditationstexte Josef Dirnbeck und Martin Gutl
Styria Verlag 1980.
ISBN 3-222-11148-0 |
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7. Dezember 2003 |
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Ihm den Weg bereiten
Weil die Menschen ihn nicht kennen, muß er bekannt
gemacht werden. Das ist unsere Aufgabe als Christen. Das ist unsere Würde.
Und gerade diese Würde macht uns bescheiden. Wir haben unsere Stimme
einzusetzen und sonst nichts. Er allein kann sie zum Träger seines Wortes
machen. Wir taufen, wie Johannes, mit Wasser. Er tauft mit dem Heiligen
Geist. Wir teilen Wein und Brot aus. Er gewährt uns seine Gegenwart.
Das ist unsere Würde: Unsere Stimme einzubringen, ihm
den Weg zu bereiten. Daß er dann auf diesem Weg kommt, können wir nicht
erzwingen, nicht einmal ermöglichen. Wir können, wie die Leute von
Jerusalem, ihm unsere Kleider vor die Füße legen - ob er darübergeht, ist
seine Sache.
Was heißt das: ihm den Weg bereiten? Zuerst: Von ihm
reden; die Menschen locken, sich ihm anzuvertrauen; Mut machen, mit ihm
umzukehren und neu anzufangen. Mehr können wir nicht, als Zeichen sein. Wir
setzen unser bißchen Liebe als Zeichen für seine Liebe, mit der er uns
sucht. Wir setzen unsere armselige Gemeinschaft als Zeichen dafür, daß er
durch den Heiligen Geist eine Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg stiftet.
Albrecht Schönherr |
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2. November 2003 |
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Meditation (nach "Spuren eines Weges", von Florian
Kuntner)
Gerade wenn es um den Tod geht, fehlen uns oft die Worte und es ist besser
zu schweigen als auf leere Phrasen zurückzugreifen.Wir haben nicht auf
alles und jedes eine Antwort, auch Christus ist mit einer Frage - einem
Schrei - am Kreuz gestorben.
Protest gegen den Tod (nach einem Gedicht
von Kurt Marti)
dem herrn unserm gott
hat es ganz und gar nicht gefallen
dass gustav e. lips
durch einen verkehrsunfall starb
erstens war er zu jung
zweitens seiner frau ein zärtlicher mann
drittens zwei kindern ein lustiger vater
viertens den freunden ein guter freund
fünftens erfüllt von vielen Ideen
was soll jetzt ohne ihn werden?
was ist seine frau ohne ihn?
wer spielt mit den kindern?
wer ersetzt einen freund?
wer hat die neuen ideen?
dem herrn unserm gott
hat es ganz und gar nicht gefallen
dass einige von euch dachten
es habe ihm solches gefallen
im namen dessen der tote erweckte
im namen des toten der auferstand:
wir protestieren gegen den tod von gustav e. lips. |
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5. Oktober 2003 |
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Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen.
unschuldig, wie ein Kind
lächelnd, wie ein Kind
verletzlich, wie ein Kind
liebesbedürftig, schonungslos, verspielt wie ein Kind
vertrauend wie ein Kind
nicht beladen mit Vorurteilen und Schuld, wie ein Kind
voll Neugier, Lebensfreude, Hoffnung und Treue, wie ein Kind
offen für alles, wie ein Kind
den Lebensweg kompromisslos in Richtung Reich Gottes
gehen, wie ein Kind.
Wie ein Kind der Stimme des Herzens folgen und zu
ihm kommen,
damit er uns segnend seine Hände auflegt.
Susanne Urteil |
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7. September 2003 |
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EFFATA
SEHEN
UND HÖREN,
WAS WIRKLICH IST -
NICHT, WAS SEIN SOLLTE.
SAGEN,
WAS ICH DENKE -
NICHT, WAS ICH DENKEN SOLLTE.
FÜHLEN,
WAS ICH WIRKLICH FÜHLE -
NICHT, WAS ICH FÜHLEN SOLLTE.
FORDERN, WAS ICH MÖCHTE -
NICHT IMMER AUF ERLAUBNIS WARTEN.
RISIKEN
EINGEHEN -
OHNE MICH IMMER ERST ABZUSICHERN.
"
Virginia
Satir |
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2. März 2003 - Faschingssonntag |
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Eine Versammlung von Pastoren. Vor dem Mittagessen stehen alle hinter
ihren Stühlen, die Häupter einige Sekunden andächtig gesenkt. Dann gibt
der Dekan das Zeichen zum Platznehmen. Da fragt der eine der Pastoren
seinen Nachbarn: “Sagen Sie, Herr Amtsbruder, wie weit zählen Sie gewöhnlich
beim Tischgebet?“ Darauf der andere: „Ich zähle bis 25; es gibt aber
etliche, die zählen bis 35 – aber das finde ich scheinheilig.“
„Meine lieben Gläubigen“, beginnt der Pfarrer
seine Predigt, „ich habe euch letzten Sonntag mitgeteilt, dass ich heute
über die Sünde der Lüge zu sprechen gedenke, und euch deshalb gebeten,
zur Vorbereitung das 17. Kapitel des Markus-Evangeliums zu lesen. Wer dies
getan hat, der möge die Hand heben.“ Die Kirche ist ein Wald erhobener
Hände. „Da seht ihr, meine Lieben“, fährt der Pfarrer fort, „wie
berechtigt mein heutiges Predigtthema ist. Das Evangelium nach Markus hat
nämlich nur 16 Kapitel.“
Ein Missionar wandert fürbass
durch die afrikanische Wüste. Da kommen zwei hungrige Löwen brüllend
auf ihn zugesprungen. Der Missionar schließt die Augen, faltet die Hände
und betet: „Lieber Gott, mach, dass aus diesen Löwen fromme Christen
werden!“ Als er die Augen öffnet, knien beide Löwen vor ihm im Sand,
haben die Pranken zusammengelegt und beten: „Komm, Herr Jesu, sei unser
Gast und segne, was Du uns bescheret hast.“
Ein
Protestant und ein Katholik brüsten sich mit ihrer geistlichen
Verwandtschaft. „Mein Großvater war Superintendent“, sagt der
Protestant, „und alle sagten „Hochwürden“ zu ihm.“ „Was ist das
schon?“ sagt der Katholik. „Mein Onkel ist Kardinal, und man muss
„Euer Eminenz“ zu ihm sagen.“ „Was heißt schon „Eminenz“?“
sagt ein Jude, der sich das angehört hat. „Wenn meine Großtante zu
Besuch kommt, dann rufen alle: Gott der Gerechte!“
Isidor Mandelbaum hat eine Geschäftsreise
nach Lourdes gemacht. Bei der Rückfahrt kontrolliert an der Grenze der
Zollbeamte sein Gepäck. „Was haben sie in dieser Flasche?“ fragt er
barsch. „No was wird ich haben? Lourdeswasser hab´ ich drin“, sagt
Mandelbaum in aller Seelenruhe. Doch der Zollbeamte traut dem Frieden
nicht. „Machen Sie die Flasche bitte einmal auf“, sagt er. Mandelbaum
öffnet die Flasche, der Beamte riecht daran und stellt empört fest:
„Das ist ja echter französischer Cognac!“ „Gott der Gerechte!“
sagt Mandelbaum hingerissen, „schon wieder a Wunder!“
Aus: Bemmann
Hans (Hrsg.), Schubert Dietmar (Cartoons), Heer Friedrich (Einführung):
Der klerikale Witz. Water-Verlag, Olten
und Freiburg im Breisgau, 2. Aufl. 1970 |
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12. Jänner 2003 |
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Komm in unsere Mitte, Herr,
Wenn wir aus Furcht vor den Menschen
hinter verschlossenen Türen sitzen;
kleingläubig die Argumente hin- und herwenden,
von unseren Zweifeln nicht loskommen.
Lass uns Deiner sicher werden,
dass wir wagen, die Türen zu öffnen
für alle, die Heimat brauchen und Halt.
Dass wir hinausgehen zu denen draußen,
die, allein mit ihren Nöten
darauf warten, dass einer sie finde.
Bleib uns nah, dass wir Deinen Geist
nicht vergeblich empfangen haben:
den Geist,
der nicht Recht haben und behalten will,
der Schuld vergibt und vergisst,
den Geist,
der lehrt, Leben zu teilen,
und Frieden möglich macht.
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1. Dezember 2002 |
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Zeit zum Freuen
Gott, wir danken dir für die schöne Zeit
die jetzt wieder vor uns liegt.
Die Adventszeit ist eine Zeit zum Freuen.
Besondere Düfte und Klänge liegen in der Luft.
Heimlichkeiten lassen unsere Herzen höher schlagen,
Kerzen und besinnliche Stunden am Adventkranz
laden ein zum Erzählen, Nachdenken und Träumen.
Wir wünschen uns, dass die vielen Lichter,
die wir sehen, auch etwas bewirken
an uns und an unserem Umgang miteinander.
Dass Du, Gott, wieder mehr Platz findest in unseren Herzen,
in unserem Alltag, in unseren Beziehungen,
dass sie uns auf die Spur bringen zu hoffen,
zu träumen und zu kämpfen für andere Menschen,
für die diese Welt.
Lass uns dein Licht erleben - heute, morgen
und in der Zeit, die vor uns liegt.
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3. November 2002 |
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O Herr, mache mich zum Werkzeug
Deines Friedens,
dass ich Liebe übe,
wo man sich hasst;
dass ich verstehe,
wo man sich beleidigt;
dass ich verbinde,
wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage,
wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe
wo der Zweifel drückt;
dass ich die Hoffnung wecke,
wo die Verzweiflung quält
dass ich Licht anzünde
wo die Finsternis regiert
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6. Oktober 2002 |
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Erntedank
Für Christus die Saat,
für Christus die Ernte,
in seine Scheune
möge Christus uns bringen.
Für Christus das Meer,
für Christus die Fische,
in seinen Netzen
möge Christus uns fangen.
Von der Geburt bis zum Alter,
vom Alter zum Tod,
in Christi Armen
sind wir geborgen.
(Irischer Segenswunsch) |
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8. September 2002 |
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Miteinander reden
aufeinander hören
zueinander kommen
einander suchen
ernst nehmen
Gutes zutrauen
eine Chance geben
voneinander lernen
füreinander einstehen
einander festhalten
miteinander loben und danken
einander nicht
aus den Augen verlieren
allein lassen
aufgeben
verurteilen
ausschließen
einander
an der Hand nehmen
kennenlernen
aufhelfen
nicht vergessen
Gutes sagen
es jeden Tag neu versuchen
(Meßbuch 2002, Bistümer des dt.
Sprachgebietes, Dt. liturgisches Institut. Verlag Butzon & Bercker, Münster
2002)
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2. Juni 2002 |
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Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich mehr Fehler
machen. Ich würde den Dingen ihren Lauf lassen und mehr Unfug treiben als
beim ersten Durchgang, würde nicht so viel auf meine Gesundheit achten,
mehr reisen. Ich würde mehr Eis essen und weniger Spinat, mehr echte und
weniger eingebildete Sorgen haben.
Ich bin einer von denen, die jede Stunde genau
einteilen. Natürlich habe ich auch mal über die Stränge geschlagen,
aber wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte, würde ich es öfter
tun. Ich nehme auf alle meine Reisen ein Thermometer, Regenmantel und
Schirm und eine Landkarte mit. Das würde ich nicht mehr machen.
Könnte ich mein Leben noch einmal leben, würde ich
früher im Jahr anfangen, barfuss zu laufen, und später im Herbst damit
aufhören. Ich hätte mehr Hunde, ginge später schlafen, hätte mehr
Freundinnen und würde mehr Karussell fahren. In einer Welt, in der alles
so ernst genommen wird, würde ich altes auf die leichte Schulter nehmen.
Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde
ich mehr Gänseblümchen pflücken.
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5. Mai 2002 |
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Fürbitten:
Zu Jesus Christus, als dessen Gemeinschaft wir hier
versammelt sind, beten wir:
1. "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine
Gebote halten" - Herr, mache uns bereit, auf die Gebote Gottes zu
hören!
2. "Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen,
sondern ich komme wieder zu euch!" - Herr, lass uns den Plänen
Gottes vertrauen, anstatt uns von unserer Angst beherrschen zu lassen!
3. "Wer meine Gebote hat und sie hält, der
ist es, der mich liebt" - Herr, mach uns die Verantwortung
bewusst, Gottes Wort nicht nur weiterzusagen, sondern auch in die Tat
umzusetzen!
4. "Wer mich aber liebt, wird von meinem
Vater geliebt werden" - Herr, hilf uns, nicht vorschnell mit dem
Schicksal zu hadern, wenn wir den Lohn für unsere Mühen nicht gleich
erkennen!
5. "Und auch ich werde ihn lieben und mich
ihm offenbaren" - Herr, hilf uns, die Berufung zur Gemeinschaft
mit Christus auch für unsere Umgebung erlebbar zu machen!
Denn du bist der Herr unseres Lebens. Dir vertrauen
wir auf all unseren Wegen. Dich preisen wir in Ewigkeit - Amen.
Meditation:
"Und ich werde den Vater bitten, und er wird
Euch einen Beistand geben, der für immer bei Euch bleiben soll."
Haben wir einen Beistand? Brauchen wir einen
Beistand? Ja so einen kleinen Schutzengel, den können wir schon manchmal
brauchen. z. B. wenn wir beim Schifahren einen kapitalen Sturz bauen oder
in der Schule nicht beim Schummeln erwischt werden wollen. Einen richtigen
Beistand brauchen wir, wenn es uns wirklich schlecht geht, wenn wir am
Ende unserer Weisheit sind, z. B. wenn wir ernsthaft erkranken oder einen
lieben Menschen verlieren. Aber verstehen wir den lieben Gott dann auch,
wenn wir vorher nie mit ihm gesprochen und ihn nicht erfahren haben?
Wer weiß, vielleicht ist dieser Beistand gar nicht
nur für außergewöhnliche Situationen, vielleicht ist er auch
"alltagstauglich"?
Herr, sei Du bei mir jeden Tag und jede Stunde
und lass mich spüren, wie du mit mir sprichst:
atme in mir, wenn mir die Luft ausgeht
weise mich an, wenn ich ratlos bin
gib mir Mut, wenn ich zurückweiche und
treibe mich an, wenn ich gleichgültig werde. |
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7. April 2002 |
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Meditation:
Noah Ben Shea erzählt von Jakob, dem Bäcker.
Jakob ist ein einfacher Mann. Doch er hat stets eine treffende und
originelle Antwort auf die kleinen Fragen des Lebens.
BETEN ZEIGT UNS DEN WEG, WO ES KEINEN GIBT
Eine Frage juckte ein Kind wie ein Stich.
"Jakob, ich verstehe nicht, wie du entscheidest, ob du das befolgen
sollst, was du als richtig empfindest, oder das, wovon du denkst, daß es
richtig sei?"
Jakob faßte sich an die Brust und sagte: "Mein Herz weiß, was mein
Verstand nur zu wissen glaubt."
Die Antwort veranlaßte den Jungen zu einer neuen Frage.
"Und wenn weder mein Herz noch mein Verstand mir helfen kann, den
richtigen Weg zu finden?"
Und Jakob antwortete: "Beten zeigt uns den Weg, wo es keinen
gibt."
(aus dem Buch "Einfache
Wahrheiten für eine schwierige Welt" von Noah Ben Shea) |
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3. März 2002 |
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Kyrie-Rufe:
Jesus, du hast gesagt:
"Ich will euch lebenspendendes Wasser geben"
Wir aber verlangen nach Besitz und Macht.
Jesus, du möchtest, dass wir zu sprudelnden Quellen werden.
Wir aber fühlen uns ausgebrannt durch unseren Alltag.
Jesus, du sprichst zu allen Menschen ohne Unterschied der Person.
Wir aber grenzen immer wieder andere aus.
Meditation:
Durststrecken
Er,
Der den Tempel
Niederreißen
Und in drei Tagen
Wieder aufbauen könnte
Sagt
Ihn dürste
Er, der Macht sogar
über Blinde und Lahme
besaß
sagt
ihn dürste
Er, der Wasser zu Wein machte
Und Wein zu seinem Blut
Der sagt
Ihn dürste
Der,
Dem alle Macht gegeben ist
Nimmt sie sich nicht heraus
Der,
Dem so dürstet
Nach Frieden und Gerechtigkeit
Nimmt in Kauf
Dass es damit immer noch
Essig ist |
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20. Jänner 2002 |
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Lesung:
Xaverl und die Hundehütte
Im Zaun zum Nachbargarten ist eine Lücke, gerade so breit, dass Xaverl
durchschlüpfen kann. Gleich hinter dem Zaun zwischen den Fliederbüschen
steht eine Hundehütte. Sie wird seit Jahren nicht mehr gebraucht.
Der Nachbar hat zum Xaverl vor Jahren gesagt: "Ich reiß sie ab - außer,
du hättest sie gern zum Spielen."
"Nicht abreißen!" Hat Xaverl gebeten.
Zum Spielen braucht er die Hundehütte jetzt nicht mehr.
Aber zum Alleinsein. Hier schaut ihm niemand zu, wenn er nachdenken will.
Hier ist ein gutes Versteck wenn er traurig ist. Der Fußboden ist aus
Holz, eine harte Unterlage für Xaverl, wenn er sich auf den Rücken rollt
und sich so klein macht, dass er genau wie früher in die Hundehütte
passt. Über manches kann er hier besser nachdenken als zu Hause im
weichen Bett.
Heute will der Xaverl aber nicht einmal nachdenken. Er will nicht daran
denken, dass die Schularbeit, die er heute geschrieben hat, wahrscheinlich
voll daneben gegangen ist.
Er will nicht daran denken, dass die Lisi nicht auf seine Party geht, nur
weil er das letzte Mal vergessen hat sie anzurufen und einzuladen.
Er will nicht darüber grübeln, woran es liegt, dass ihm diesmal rein gar
nichts gelungen ist. Er kommt sich müde und klein und jämmerlich vor, zu
nichts zu gebrauchen. Er will sich nur ausruhen.
"Lieber Gott!", fragt Xaverl, "Bist du da?"
"Ja, ich bin jetzt da", sagt der liebe Gott.
"Ich wäre jetzt aber viel lieber allein", sagt Xaverl,
"Ich halt's im Moment nicht aus, dass da einer bei mir ist und etwas
will von mir und mich festhält."
"Ich halte dich nicht fest," sagt der liebe Gott, "Ich störe
dich nicht. Ruh dich nur aus, ich halt derweil die Hundehütte."
Lene Mayer-Skumanz
Meditation:
Heute noch
Heute noch miteinander reden.
Zurückgehen,
das Gespräch von neuem beginnen.
Morgen könnte einer von uns tot,
stumm,
blind,
gelähmt sein.
Heute noch zurückgehen,
noch einmal hören,
sich überwinden,
verzeihen,
das Urteil über einen Menschen aufheben.
Heute noch,
die Sonne wird über zwei Versöhnten untergehen.
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13. Jänner 2002 |
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Gott allein kann den Gauben schenken,
aber du kannst Zeugnis davon geben.
Gott allein kann Hoffnung schenken,
aber du kannst unter deinen Schwestern und Brüdern Vertrauen schaffen.
Gott allein kann Liebe schenken,
aber du kannst lernen, den Nächsten zu lieben.
Gott allein kann Frieden schenken,
aber du kannst Eintracht säen.
Gott allein kann Kraft schenken,
aber du kannst verlorenen Mut abfangen.
Gott allein ist der Weg,
aber du kannst ihn den anderen weisen.
Gott allein ist das Licht,
aber du kannst es aufscheinen helfen in den Augen aller.
Gott allein ist das Leben,
aber du kannst den anderen ihren tiefsten Lebenswunsch deutlich machen.
Gott allein kann möglich machen,
was unmöglich erscheint,
aber du wirst das Mögliche tun.
Gott allein genügt sich selbst,
aber er bevorzugt es, auf dich zu zählen.
Gebet einer Basisgemeinde
aus Campinas/Brasilien |
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5. Mai 2001 |
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Geschwisterliche Kirche
Diese neue Gestalt der Kirche hat
viel Ähnlichkeit mit den Ursprungsgemeinden. Diese neue Gestalt kann aber
nicht durch "kirchliche Regression" entstehen, sondern durch
einen schmerzlichen Reifungsschritt der Kirche.
Es wird eine Kirche, in der zunächst
alle wieder Brüder und Schwestern sind, in der nicht die Pastoralexperten
allein das Sagen haben. Es wird eine Kirche sein, die sich in überschaubaren
Gemeinden ereignet, wenngleich sie sich auch nicht in diesen erschöpft.
Es ist eine Kirche, in der sich alle
berufen wissen, zum Leben und Wirken ihrer Gemeinden beizutragen. Es ist
eine Kirche, die arm ist, die ihren Reichtum nicht mehr für sich selbst
verwendet, um den Skandal zu überwinden, dass an dem einen Tisch des
Herrn wir, die Satten, und so viele verhungernde Christen der einen
Weltkirche sitzen! Es ist schließlich eine Kirche, in der es sehr wohl
auch andere Ämter gibt, nicht nur das Amt des Priesters.
Es werden andere gemeindeerfahrene Männer
und auch Frauen kirchliche Ämter übernehmen, wenn es keinen
Klerikalismus mehr gibt: Früher würde ich es den Frauen auch gar nicht wünschen.
Die Kirche der Zukunft wird kein Ofen sein, der sich selbst wärmt,
sondern wird Wärme, Hoffnung, Ermutigung in die Menschen ausstrahlen,
weil sie entschlossen auf die Seite derer getreten ist, deren
Lebenschancen zum Leben nicht ausreichen.
Im übrigen hat auch nur solch eine
Kirche Zukunft.
Paul M. Zulehner |
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1. April 2001 |
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Als er noch in der Volksschule war, hatte ihnen die Religionslehrerin
immer von den Engeln erzählt. "Jeder hat einen oder sogar
mehrere", hieß es da. Eine Zeitlang hatte Markus versucht, so lange
mit halb geöffneten Augen in den Spiegel zu starren, bis er irgendetwas
Wolkenähnliches um ihn herum sah. Er war sich sicher, dass er eine Menge
kleiner Engel um sich hatte und stellte sie sich wie die gelben Legomännchen
mit Schirmkappen und Werkzeug vor. So wie die Barockengerln über der
Kommode bei der Oma sahen seine Engel bestimmt nicht aus. Die waren ihm nämlich
immer unsympathisch gewesen, mit den dicken Backen, dem Grinsen und dem
Busenansatz. Seine Engel waren anders, männlicher und wahrscheinlich auch
stärker.
Aus dem Buch "Fensterplatz
in Fahrtrichtung" von Selma Ram |
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4. Februar 2001 |
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Ein Fasten wie ich es liebe ...
Ist das ein Fasten, wie ich es liebe?
Ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht:
Wenn man den Kopf hängen lässt,
so wie eine Binse sich neigt,
wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt
NEIN !!
DAS ist ein Fasten, wie ich es liebe:
Die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
die Versklaven freizulassen,
jedes Joch zu brechen,
an die Hungrigen dein Brot auszuteilen,
die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
und dich deiner Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen
wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben.
Deine Gerechtigkeit geht dir voran,
dei Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist, wird er dir sagen:
HIER BIN ICH
Jesaja, Kapitel 58 |
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4. Februar 2001 |
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Ich glaube an Gott,
so wie ein blinder an die Sonne glaubt,
nicht weil er sie sieht,
sondern weil er sie fühlt.
Ich spüre das Geheimnis jeden Tag
tief in mir selbst und in allem, was mich umgibt.
Wenn ich einen Menschen sehe, auch wenn es ein gebrochener Mensch
ist,
dann glaube ich an ein Wesen, das größer ist als der Mensch.
aus "Liebe wirkt täglich
Wunder" von Phil Bosmans) |
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7. Jänner 2001 |
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Fürbitten
Wir danken Christus, dem Herrn, der den Frieden
Gottes zu uns Menschen gebracht hat, und bitten ihn aus ganzem Herzen:
- Gib allen Eltern die Kraft, ihre Kinder in Liebe
und Geduld zu erziehen, so wie es Maria und Josef an Jesus getan
haben.
- Wenn Eltern ihr Kind zur Taufe zu Dir bringen,
gib ihnen Mut und Vertrauen, dass sie ihr Kind im christlichen Glauben
leiten und führen können, auch wenn es manchmal sehr schwer ist.
- Gib den getauften jungen Christen die Zuversicht
und den Geist Deiner Treue, dass sie sich in dieser heutigen Welt zu
Dir bekennen können.
- Führe die mutlos gewordenen und enttäuschten
Mitglieder Deiner Kirche zu der Erkenntnis, dass sie nicht aufgeben
sollen, und gib ihnen die Kraft zu einem Neubeginn.
- Schenke allen Kranken und Leidenden, sowie allen
einsamen und verlassenen Menschen das Vertrauen und die Hoffnung, dass
es auch heute noch Menschen gibt, die ihnen helfen wollen.
Herr und Gott, Du hast jeden einzelnen dazu berufen,
Deine Güte, Deine Liebe und Deine Barmherzigkeit zu bezeugen, auch in
unserer heutigen Welt. Gib uns Deinen Geist, der seit unserer Taufe in uns
wirkt, mit auf den Weg um Deinen Auftrag zu erfüllen. |
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Meditation
Von guten Mächten treu und still
umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben,
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsren aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.
Lass warm und still die Kerzen heute
flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
für, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
Von guten Mächten wunderbar
geborgen,
erwarten wir getrost was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Dietrich Bonhoeffer |
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3. Dezember 2000 |
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Und das Wort ist Fleisch geworden
"Wär' Christus tausendmal in
Betlehem geboren und nicht in dir, du bliebst noch ewiglich
verloren."Angelus Silesius
I.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt:
Und das Wort
ist nicht Wort geblieben,
sondern Fleisch geworden.
Und das Evangelium
ist nicht Theorie geblieben,
sondern Praxis geworden.
Und der Glaube
ist nicht Utopie geblieben,
sondern gelebt worden.
Und die Hoffnung
ist nicht Phantasie geblieben,
sondern verwirklicht worden.
Und Gott
ist nicht abstrakt geblieben,
sondern Mensch geworden.
II.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt:
Und das Wort
geht den Weg
allen Fleisches.
Und das Evangelium
wird zu Papier,
und der Glaube
zum Lippenbekenntnis,
und die Hoffnung
zu Illusion,
und Gott
zu Philosophie.
III.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt:
Und das Wort wird Fleisch werden,
wenn wir es unter uns
wohnen lassen,
und wir werden
seine Herrlichkeit schauen,
die Herrlichkeit
des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
aus Josef Dirnbeck, Martin
Gutl: Ich wollte schon immer mit dir reden
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5. November 2000 |
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Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
der den Himmel und die Erde erschaffen hat.
Von dir kommt alles, was ist:
Die Sonne, die Wiese, die Vögel, die Blumen, die Menschen, ...
du hast mich erschaffen, weil du mich liebst.
Ich glaube an dich, ich vertraue dir.
Ich glaube an Jesus,
der die Menschen gerufen, gesund gemacht
und der die Schuld vergeben hat.
Und der es auch heute noch tut.
Ich glaube an Jesus,
der gekreuzigt wurde, der gestorben ist
und der auferstanden ist - für mich.
Ich glaube an dich, ich vertraue dir.
Du kennst mein Leben, du gabst es mir.
Du willst, dass ich glücklich bin, und du hast versprochen,
dass ich durch dich das volle Leben haben werde.
Ich glaube an dich, ich vertraue dir.
Ich glaube an den heiligen Geist.
Du atmest und lebst in mir.
Durch dich kann ich glauben.
Durch dich kann ich lieben.
Du bewegst mein Herz und bewirkst das Gute in mir.
Ich glaube an dich, ich vertraue dir.
Ich glaube an die Kirch, weil du in ihr gegenwärtig
bist.
Ich selbst bin diese Kirche und bin berufen,
sie lebendig zu gestalten.
Ich glaube an dich, ich vertraue dir.
Ich glaube daran,
das du - guter Gott - immer bei mir bist,
heute und morgen und auch wenn ich sterbe.
Ja, ich glaube an dich und ich vertraue dir,
weil du mich geschaffen hast und
weil du mich bedingungslos annimmst und mich liebst,
so wie ich bin.
Amen
Sr. Amata Rindler, Salvatorianerin
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8. Oktober 2000 |
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Fürbitten
Guter Gott: wir sind so oft unsicher, ob wir auf dem
richtigen Weg sind. Du hast uns Deine Hilfe versprochen.
So bitten wir Dich:
Hilf allen Menschen die unsicher in ihrem Glauben
sind und zweifeln. Gib, dass sie Menschen kennenlernen, die ihnen wieder
Hoffnung geben, dass Du sie liebst und nicht fallen lässt.
Heutzutage scheitern viele Beziehungen, sei es aus
Schuld oder an den Lebensumständen, oder aus vielen anderen Gründe.
Schenke diesen Menschen viel Kraft und Mut ein neues Leben zu beginnen
ohne sich schuldig zu fühlen.
Mache die Verantwortlichen in der Kirche endlich
einsichtig, dass Geschiedene und Wiederverheiratete keine Sünder oder
Mensche zweiter Klasse sind, sondern ebenso Deine Kinder, die Deine
Liebe und Barmherzigkeit besonders brauchen. Wir Menschen dürfen sie
ihnen nicht verwehren.
Gib den Ehepaaren, ob sie lang oder erst kurz
verheiratet sind, die Kraft einander in Krisenzeiten auszuhalten und
sich trotz allem zu lieben.
Jesus, Du bist Mensch und Gott, Du kennst unsere
Schwächen, unsere Ängste und Kleinmütigkeiten. Mit Deiner Hilfe wollen
wir daran arbeiten und versuchen, sie zu überwinden.
Amen.
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Meditation
TATSACHEN
Wächst
ein Kind mit Kritik auf - lernt es, zu verurteilen!
Wächst
ein Kind mit Hass auf - lernt es, zu kämpfen!
Wächst
ein Kind mit Spott auf - lernt es, scheu zu sein!
Wächst
ein Kind mit Schmach auf - lernt es, sich schuldig zu fühlen!
Wächst
ein Kind mit Toleranz auf - lernt es, geduldig zu sein!
Wächst
ein Kind mit Ermutigung auf - lernt es, selbstsicher zu sein!
Wächst
ein Kind mit Lob auf - lernt es, dankbar zu sein!
Wächst
ein Kind mit Aufrichtigkeit auf - lernt es, gerecht zu sein!
Wächst
ein Kind mit Sicherheit auf - lernt es, zuversichtlich zu sein!
Wächst
ein Kind mit Anerkennung auf - lernt es, sich selbst zu schätzen!
Wächst
ein Kind mit Güte und Freundlichkeit auf - lernt es, die Welt zu
lieben!
FAZIT
Mit Einer
Kindheit Voll Liebe Kann Man Es Ein Ganzes Leben Lang AUSHALTEN!
Jean Paul Satre
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4. Juni 2000 |
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Dein Glaube hat dir geholfen
1.
Dein Gaube
hat dir geholfen!
Dein Geld,
deine Autos,
deine Stereoanlagen
haben dir nicht geholfen!
Dein Glaube
hat dir geholfen!
Deine Posten,
deine Pfründe,
deine Wertpapiere
haben dir nicht geholfen!
Dein Glaube
hat dir geholfen!
Deine Jugendträume,
deine Ideale,
deine Luftschlösser
haben dir nicht geholfen!
Wenn du alles verlässt
und dich auf Gott verlässt,
wird dir dein Glaube helfen!
2.
Dein Glaube
hat dir geholfen,
deine Dogmen nicht!
Und hättest du auch
die schönste Theologie,
die herrlichsten Dogmen,
die redlichste Konfession,
den tadellosesten Taufschein,
aber hättest keinen Glauben:
es nützte dir nichts!
Wenn du alles verlässt
und dich auf Gott verlässt,
wird dir dein Glaube helfen!
aus Josef Dirnbeck, Martin Gutl:
Ich wollte schon immer mit dir reden
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2. April 2000 |
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Jesus ist
das Wort, das ich sprechen will,
die Wahrheit, die ich verkünden will,
der Weg, den ich gehen will,
das Licht, das ich anzünden will,
das Leben, das ich leben will,
die Liebe, die ich ausstrahlen will,
die Freude, die ich geben will,
der Friede, den ich bringen will.
Mutter Teresa
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5. März 2000
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Vater,
du bist nicht an erste Stelle unser Richter
und Herr,
sondern unser Vater
denn Du hörst das Schreien deiner unterdrückten Kinder.
Du bist im Himmel,
wohin wir im Kampf unseren Blick richten.
GEHEILIGT
werde dein befreiendes Eingreifen gegen die, die in Deinem Namen
die Menschen unterdrücken.
Es komme zu uns,
angefangen mit den Verarmten, deine Gerechtigkeit.
Es geschehe die Freiheit durch Dich,
angefangen auf der Erde bis in den Himmel,
DAS TÄGLICHE BROT,
das wir gemeinsam essen.
Vergib uns unseren Egoismus in dem Maße,
in dem wir den kollektiven Egoismus bekämpfen.
UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG,
die Menschen auszubeuten,
um Reichtum anzuhäufen.
Sondern befreie uns
von der Rache und dem Hass gegen den Bösen,
der unterdrückt und erdrückt.
AMEN
Leonardo Boff
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13. Februar 2000 |
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Was machst du mit deinen Händen?
Auf meinem Weg zur Kirche wurde ich
von einem Bettler angehalten.
Seine entzündeten, tränenden Augen, die blauen Lippen, die abgetragene
zerschlissene Kleidung und zerfransten Hosen boten ein abstoßendes
Bild des Elends, in welches dieser Mann herabgesunken war.
Er streckte mir seine rote, aufgeschwollene, schmutzige Hand
entgegen, jammernd bat er um ein Almosen. Ich durchwühlte meine
Taschen. Weder Geldbeutel noch Uhr, nicht einmal ein Taschentuch
hatte ich darin. Ich hatte gar nichts bei mir. Der Bettler wartete. Seine
Hand bewegte sich ruckweise, ganz schwach. Ganz bestürzt wusste ich
nicht was ich anfangen sollte und drückte ihm fest die schmutzige,
zitternde Hand. "Sei mir nicht böse Bruder, ich habe nichts bei
mir!"
Seine roten Augen und seine blauen Lippen verzogen sich zu einem
Lächeln, und er drückte mir die kalten Finger. "Sei nicht traurig
Bruder!" sagte er mit rauher Stimme, "der Druck deiner Hand ist
auch
eine Gabe!"
lwan Turgenjew
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9. Jänner 2000 |
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Christliche Vorsätze
Es fällt uns nicht schwer, Herr,
Dich um Frieden zu bitten für alle Völker der Erde,
um Regen für trockenes Land,
um Reis und Brot für alle.
Es fällt uns nicht schwer,
für Freiheit einzustehen und gegen Gewalt,
für Recht auf Heimat und Menschenwürde.
Es fällt uns nicht schwer, auf das Recht auf Leben zu pochen
und für das Altern in Würde zu plädieren.
Es fällt uns schwer, Herr,
in Frieden zu leben mit unseren Nachbarn,
das erste Wort zu sagen nach langem Streit,
die Wohnung und das Haus zu teilen mit einem Heimatlosen,
dem Bittenden zu leihen - zum zweiten oder dritten Mal zu geben.
Komm in unsere Mitte, Herr,
wenn wir aus Furcht vor den Menschen hinter verschlossenen Türen sitzen,
kleingläubig die Argumente hin- und herwenden,
von unseren Zweifeln nicht loskommen.
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5. Dezember 1999 |
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Gott ist Mensch geworden?
Gott wird Mensch. Wo?
Nur in Betlehem?
Hoffentlich nicht nur dort.
Wo aber sonst noch?
Überall? Hoffentlich.
Gott wird Mensch. Wie?
Als Krippenkind?
Hoffentlich nicht nur so.
Wie aber dann noch?
Hoffentlich in jedem von uns.
Gott wird Mensch. Wann?
Zu Weihnachten?
Hoffentlich nicht nur.
Wann aber noch?
Jederzeit? Jeden Tag?
Gott wurde Mensch. Warum?
Aus Erbarmen?
Sicherlich. Aber nicht nur darum.
Warum aber dann noch?
Damit WIR Gott ähnlicher werden.
Barbara Tichy
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7. November 1999 |
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Keine Zeit
Die Lüge beginnt mit dem Wort:
"Ich habe keine Zeit."
Ich habe keine Zeit,
in mich hinein zu horchen,
keine Zeit,
mit mir allein zu sein,
keine Zeit,
auf mich einzugehen,
keine Zeit,
an mir zu arbeiten.
Ich sage statt dessen:
"Ich bin eben so."
Ich habe keine Zeit,
auf meinen Partner zu hören,
keine Zeit,
den Klang seiner Worte aufzunehmen,
keine Zeit,
die Ursachen der Krise kennen zu lernen,
keine Zeit,
mir zu überlegen, was ich sage.
Ich sage statt dessen:
"Ich bin eben so."
Ich habe keine Zeit,
Lügner und Scharlatane zu entlarven,
keine Zeit,
die Natur zu betrachten,
keine Zeit,
Gott zu spüren.
Die Lüge beginnt mit dem Wort:
"Ich habe keine Zeit"
Die Wahrheit ist:
Ich habe Zeit.
Die Wahrheit ist:
Ich habe keinen Mut.
aus Josef Dirnbeck, Martin
Gutl: Ich wollte schon immer mit dir reden
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Meditationstexte ab 2006 |
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