Einmal pro Monat wird der Sonntagsgottesdienst um 9.30 von Familien der Pfarre gestaltet. Den für diese Messe vorbereiteten Meditationstext wollen wir Ihnen hier zum Nachlesen anbieten.

Meditationstexte ab 2006


Meditationstexte  1999 bis 2005



6. November 2005


Vae soli

Weh dem, der einsam ist!
Denn zwei sind stets einander nütze.
Wenn einer strauchelt, hat er Stütze.
Wenn einer friert, so wärmt der Freund.
Und alles trägt sich leicht vereint.
Weh dem, der einsam ist!

Weh dem, der einsam ist!
Er kann in keinen Lebensläufen ,
nach hilfsbereiten Händen greifen.
Und wenn er einmal glücklos fällt,
ist nichts und niemand, der ihn hält.
Weh dem, der einsam ist!

Weh dem, der einsam ist!
Wie ich allein bin, diese schweren Stunden!
Wer lindert mir die Qual der Wunden?
Und drückt mir sanft das Auge zu
beim Eingang in das Reich der Ruh?
Weh dem, der einsam ist.

aus Roman Karl Scholz:
"Ich werde immer bei Euch sein"
Mayer & Comp. Verlag
ISBN: 3-90 10 25-29-4


02. Oktober 2005


INSERAT

Ein Mensch wird gesucht,
einer unter drei Milliarden:
Größe und Aussehen unwichtig,
Bankkonto und Wagentype nebensächlich.
Geboten wird
eine interessante Tätigkeit.
Gefordert wird
unmenschlich viel:
Mehr hören
als reden,
mehr verstehen
als richten,
mehr helfen
als klagen.
Ein Mensch wird gesucht.
Für Dankbarkeit
wird keine Garantie übernommen.
Sollten Sie
sich der Arbeit gewachsen fühlen,
melden Sie sich bitte
so bald wie möglich
beim Nächstbesten!

aus
"In vielen Herzen verankert"
von Martin Gutl
ISBN 3-222-13163-5


11. September 2005


Bubenmutter

Bubenmutter sein kann heißen, 
eine Zeitlang täglich unzählige Male Sand aus Hosenbeinen zu schütteln. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
trotz bemühter Friedenserziehung das Brot zur Pistole gebissen und die Zeitung zur Pistole gerissen zu sehen. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
sich an ein Kind zu gewöhnen, das sich ausschließlich auf Rädern fortbewegt: auf dem Trittroller, dem Dreirad, dem Tretauto, dem Skateboard, dem Fahrrad, dem Moped, dem Motorrad, dem Auto. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
eine laute und schrille Stimme zu entwickeln und Endlosdiskussionen zu führen. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
stürmisch umarmt zu werden, aber plötzlich mit vernichtender Verachtung gestraft zu werden. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
Pop-, Rock- und Hardrockmusik in Überlautstärke anhören zu müssen. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
nicht vor plötzlicher Veränderung der Kellerräume zurückzuschrecken. 

Bubenmutter sein kann heißen, 
am Krankenbett vor einem Bündel Verband zu sitzen und leidvoll zu murmeln: "Es ist noch einmal gut gegangen." 

Bubenmutter sein kann heißen, 
Telefonanrufe von Mädchen zu vermitteln oder abzuwehren.

Bubenmutter sein kann schließlich heißen, 
plötzlich einem erwachsenen jungen Mann gegenüberzusitzen, der der eigene Sohn ist und die Welt verändern möchte.

nach  Elisabeth Schöffl-Pöll:
"Abenteuer Ehe und Familie"


5. Juni 2005


Aus sich selbst herausgehen

Es ist einfach, unnahbar zu sein. 
Man braucht sich nur von den anderen Menschen fernzuhalten und wird so niemals leiden. Wir ersparen uns so die Risiken, die Enttäuschungen, den Traum von einer Liebe, der sich nicht erfüllt.

Es ist einfach, unnahbar zu sein. 
Wir brauchen uns nicht um die Telefonate zu kümmern, die mit Menschen gemacht werden müssen, die unsere Hilfe, unsere Unterstützung brauchen.

Es ist einfach, unnahbar zu sein. 
Wir brauchen nur so zu tun, als lebten wir in einem Elfenbeinturm, und wir werden nie eine Träne vergießen. Wir brauchen nur bis zum Ende unseres Lebens eine Rolle zu spielen.

Es ist einfach, schwer zugänglich zu sein. 
Man braucht nur das Beste am Leben aufzugeben.

Paulo Coelho: 
Unterwegs / Der Wanderer
ISBN 3-257-05700-8


1. Mai 2005

Fürbitten

Liebe Brüder und Schwestern im bittenden Gebet wollen wir uns gemeinsam an Jesus Christus wenden

 

  • Wir bitten für alle getauften und gefirmten las sie durch deine Kraft und deinen Beistand den richtigen Lebensweg finden und treu zu dir stehen.

  • Wir bitten dich lass die Menschen ohne Furcht vor Krieg und Katastrophen ohne Angst vor Unterdrückung in Freiheit und in Sicherheit leben.

  • Wir bitten dich, stärke alle Christen bei ihren Aufgaben in der Familie und der Gemeinde kurz bei ihrem Dienst am nächsten.

  • Hilf den Menschen die krank, verlassen, einsam sind und gib ihnen Kraft ihr Kreuz anzunehmen und zu (er)tragen.

  • Nimm alle unsere verstorbenen Freunde und Angehörigen zu dir und lass sie RUHEN in dir.

Guter Gott Du willst die Welt zum geheilten Leben führen, sende uns deinen Geist immer wieder neu und gib uns DEINEN Frieden.

 

 

Meditation

Sende mir den Beistand den Geist der Wahrheit

Bin ich ein Christ?

Oder nenne ich mich
Nur versehentlich
Einen Christen?

 

Nenne ich mich einen Christen,
obwohl mein Feuer erloschen ist
und ich mich nur mehr über die Asche des Feuers freue?

 

Nenne ich mich einen Christen,
obwohl ich mich an Menschen hänge,
die zu Asche geworden sind?

 

Nenne ich mich einen Christen,
obwohl ich nicht im Traum daran denke,
auf dem Weg Jesu Christi zu gehen?

 

Nenne ich mich einen Christen,
obwohl für mich satte Behäbigkeit
dasselbe wie Christentum ist?

 

Nenne ich mich einen Christen,
obwohl ich meine erste Liebe,
meinen Glauben meinen Christus vergessen habe?

 

Herr sende mir den verheißenen Beistand,
den Geist der Wahrheit.

 

Nach Dirnbeck Gutl: 
Ich wollte schon immer mit dir reden 
Meditationstexte 
StyriaVerlag 1980
 ISBN 3 222 11148 0


3. April 2005

Wohnen

Sebastian sitzt am Gartentisch und schaut die leere Heftseite an.

Zehn Sätze mit "wohnen" soll er aufschreiben. Das O und das H in "wohnen" darf er bunt ausmalen. Sebastian schreibt: Die Maus wohnt im Mauseloch. Die Grille wohnt im Grillenloch. Die Fledermaus wohnt auf dem Dachboden. Dann fällt ihm nichts mehr ein.

Er schaut im Garten herum. Er schaut zum blauen Himmel hinauf. Er schreibt: Die Sonne wohnt am Himmel.

Und wo wohnt der Himmel?

Überall, wo nicht gerade Erde ist. Aber ganz bestimmt im Nachbarsgarten, in Tante Elkes Gartenteich. Der leuchtet blau zwischen den Binsen. Sebastian schreibt: Der Himmel wohnt im Teich. Er malt die O rot aus und umrandet die H in "wohnen" mit dem gelben Stift.

Dabei fällt ihm etwas auf. Das O wohnt in "wohnen"! Von nun an geht alles leicht. Er schreibt: Das O wohnt im Mauseloch. Das O wohnt im Vogelnest. Das O wohnt in Sonne und Mond. Das O wohnt in Gott.

Ein Satz fehlt noch. Wo wohnt Gott? Sebastian runzelt die Stirn, so fest muss er nachdenken.

Gott wohnt überall. Gott wohnt, wo er will, bei Menschen und bei Tieren, zwischen den Steinen und in den Glockenblumen. Überall? Der Herr Bärmann auf Stiege 6 hat gesagt: "Gott kann mir gestohlen bleiben!" Kann Gott bei Herrn Bärmann wohnen, wenn der so unzufrieden ist mit ihm?

Sebastian überlegt. Er stellt sich vor, dass Gott heimlich bei Herrn Bärmann wohnt; denn er will dem Bärmann nicht auf die Nerven gehen.

Aber so einen langen Satz mag Sebastian nicht schreiben. Wo wohnt Gott besonders gern? In Jesus, seinem Sohn, und mit Jesus im heiligen Brot. Das weiß Sebastian von der Religionslehrerin.

Aber es muss doch noch mehr Lieblingsplätze für Gott geben.

Bestimmt wohnt Gott sehr gern bei Leuten, die vergnügt miteinander essen. Er wohnt in Kindern, die miteinander spielen; da ist er auch vor und hinter ihnen, drüber und drunter und rundherum und spielt mit, ohne dass die Kinder ihn sehen. Gott wohnt auf jeden Fall in Papa und Mama, wenn die einander umarmen; dann ist Gott zwischendrin.

Sebastian nimmt die Füllfeder und schreibt: Gott wohnt im Zwischendrin.

Dann malt er das O und das H hübsch an.

Aber etwas geht ihm noch ab bei diesem letzten Satz.

Sebastian malt eine goldene Sonne um jeden i-Punkt, drei goldene Sonnen.

So ist es nun ein ganz besonderer schöner Satz geworden.

 

Aus dem Buch:
Anna und Sebastian
Geschichten zum Lesen und Weiterdenken
von Lene Mayer-Skumkanz
Verlag Herder 2003
ISBN 3-451-28183-X


6. März 2005

Du führst uns

Wie unterschiedlich
du Menschen führst,

die sich dir anvertrauen!

Wie zart du in der Stille
zu uns sprichst!

Wie einfühlsam
du uns begleitest!

Wie entschieden du
aber auch etwas verlangen kannst
mit der ganzen Autorität
des All-Liebenden.

Wie demütig
du oft vor unserer Tür wartest,
bis wir nach einer Zeit
der Verschlossenheit und Verbitterung
dir wieder trauen
und dich wieder einlassen.

Denn du kannst warten
wie keiner.

Meditation von Martin Gutl
aus "Ich bin bei dir", Styria-Verlag, Graz 2001


23. Jänner 2005

Wo ist dein Gott?

Wo ist dein Gott, wurde ich gefragt, als die Flutwelle in Südostasien so viele Menschenleben auslöschte.
Was ist das für ein Gott, der zulässt, dass hunderttausend Kinder ihre Eltern und hunderttausend Eltern ihre Kinder verlieren?
Warum hat Gott diesen Menschen nicht geholfen, als die Flutwelle über sie hereingebrochen ist?
Welcher Gott, lässt Millionen der Menschen, die er angeblich so liebt, ohne Dach über dem Kopf und ohne einen Bissen zwischen den Zähnen zurück?
Was ist das für ein Gott der Liebe, wenn er zweihunderttausend Menschenleben so einfach auslöscht?
Wo ist dein Gott, wenn so viele Menschen seine Hilfe benötigen?
 
Dort wo Menschen, die gerade alles verloren haben, einem anderen ihr letztes Hemd geben, damit dieser nicht friert, dort ist Gott!
Dort wo jahrelange Feinde einander im Angesicht der Katastrophe die Hand reichen und einander froh umarmen, weil der andere noch lebt, dort ist Gott!
Dort wo Militärschiffe Verwundete versorgen und Bomber Hilfsgüter abwerfen, dort ist Gott!
Dort wo in wenigen Tagen mehr Geld gespendet wird als im ganzen Jahr davor zusammen, dort ist Gott!
Dort wo den Trauernden aufrichtiger und ehrlich gemeinter Trost gespendet wird und Familien wieder zusammenrücken, dort ist Gott!
Dort wo Vertreter aller fünf Weltreligionen gemeinsam ihren Lieben gedenken und friedlich miteinander beten, dort ist Gott!
Dort wo die Hoffnung besteht, dass unsere Welt friedlicher und besser wird, weil Menschen im Angesicht ihrer eigenen Vergänglichkeit zuerst miteinander reden und sich nicht bekriegen, dort ist Gott!

Andreas Tichy


9. Jänner 2005

Anselm Grün schreibt zu der Schriftstelle:
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich mein Wohlgefallen."

Das gilt auch für dich. Wenn du aus den Fluten deiner Schuld und aus den Wassern deiner Angst empor schaust zum Himmel, öffnet sich auch über dir der Himmel. Dein Herz wird weit. Du hörst aus dem offenem Himmel das Wort Gottes, das dir bedingungslose Daseinsberechtigung zusagt: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich mein Gefallen. Ich liebe dich so wie du bist. Du musst dich nicht erst selbst gerecht machen. Du brauchst dir eine Darseinsberechtigung nicht zu erkaufen. Du darfst sein, weil ich dich mag. Du gefällst mir wie du bist."

 


5. Dezember 2004 

Die Kunst, richtig zu schenken

Weihnachten ist die Zeit, sich gegenseitig zu beschenken. Du weißt, wie gut das tut: jemandem etwas schenken, der sich darüber von Herzen freuen kann. Geschenke dürfen kein Tauschhandel werden, kein Geschäft mit dem Hintergedanken, sich Menschen zu verpflichten, sie gewogen oder gefügig zu machen. An solchen Geschenken erstickt alle Freude und Freundschaft.

Es ist eine große Kunst, richtig zu schenken, und es ist eine noch größere Kunst, richtig anzunehmen. Vielleicht ist es eine Kostbarkeit, die du bekommst, vielleicht nur eine Kleinigkeit. Sei dir auf jeden Fall bewusst, dass sich da ein lieber Mensch Gedanken gemacht hat, dass er etwas sorgsam ausgesucht und eingepackt hat, um dir eine Freude zu machen. Du bist nicht vergessen.

Hunderte andere werden vergessen, sie bekommen nie etwas, keiner denkt an sie. Sei also froh, wenn dich jemand gern hat und an dich denkt. Sei dankbar. Und dann gib auch zu erkennen, dass du es zu schätzen weißt, auch wenn es eine Kleinigkeit ist.

Es ist nie zu spät, sich zu versöhnen.
Denn es ist nie zu spät, zu lieben.
Es ist auch nie zu spät, glücklich zu sein.

PHIL BOSMANS


7. November 2004 

Dass unser Leben mehr werde

Herr,
dass unser Leben mehr werde als
ein hektischer Ablauf von Stunden, Tagen,
Jahren und Jahrzehnten,
danach sehnen wir uns;
nach Sinn und Erfüllt - sein.

Herr,
dass unser Leben mehr werde als
ein ungeordneter Haufen von Gedanken, Wünschen,
Begierden und Erwartungen,
danach sehnen wir uns:
nach Sinn und Ziel.

Herr,
dass unser Leben mehr werde als
eine zufällige Reihe von Handlungen, Taten,
Werken und Leiden,
danach sehnen wir uns:
nach Sinn und Gelingen.

Herr,
dass unser Leben mehr werde als
ein verworrenes Knäuel von Beziehungen, Sympathie,
Miteinander und Gegeneinander,
danach sehnen wir uns: nach Sinn und Liebe.

Herr,
dass unser Leben mehr werde,
die Erfahrung von Sinn darin sei,
danach sehnen wir uns,
darum bitten wir.

Amen

 


3. Oktober 2004 
 
Erfüllte Zeit

Ein armer Mann hatte einst eine schlechte Tat begangen. Er beschloss, mit einer Bettelschale und einem Stab zur Mutter Ganga zu pilgern und sich an ihren Ufern reinzuwaschen. Nach tagelangen Wanderungen kam er an einen kleinen Fluss und rief freudig: „O Mutter Ganga, ich bin zu dir gekommen, um mich von meinen Sünden reinzuwaschen!“ Jeden Tag badete er mit Inbrunst und büßte seine Schuld mit Gebeten. Eines Tages kam ein berühmter Asket vorbei, der den Mann eine Weile beobachtete und ihn dann auslachte: „Was redest du dieses Rinnsal mit Mutter Ganga an, verschwende deine Zeit nicht an einem nutzlosen Fluss, geh doch zur Ganga, sie ist weit von hier!“ O, dachte der einfältige Mann, dies ist nicht die Ganga, und nahm den Stab und die Bettelschale und machte sich erneut auf die Wanderschaft. Er kam zu einem mächtigen Fluss. „O Mutter Ganga, wie schön du bist“ rief er. Wieder begann er täglich zu baden und sich zu reinigen. Erneut kam ein mächtiger Asket vorbei, sah ihn und rief ihm zu: „Was verschwendest du deine Zeit hier, wenn es doch die Ganga gibt, die weit von hier fließt!“ Wieder machte er sich auf die Wanderschaft. So besuchte er zahllose Flüsse. Weil sie immer größer wurden, dachte er jedes Mal, er habe die Ganga nun erreicht, und fühlte sich glücklich. Bis schließlich ein Asket kam und ihm die Täuschung nahm. Alt und sterbenskrank geworden, kroch er auf einen Hügel und erblickte vor sich die Mutter Ganga. Sein Herz brach und er starb, ohne je die Ganga erreicht und in ihr bebadet zu haben.

In der Unterwelt angekommen, frage Yama, der Todesgott: „Was liegt gegen ihn vor?“ „Er hat eine Sünde begangen, sie aber in der Ganga gesühnt“, sprach Chitragupta, der Buchhalter von Yama. „Herr, ihr irrt“, rief der einfältige Mann, „ich habe die Ganga nie erreicht!“

Da lächelte Yama und sprach: „Wenn ein Mensch aufrichtig fühlt und denkt und sein Streben in eine Richtung geht, ist es nicht wichtig, ob er das, nach dem er strebt, auch erreicht. Das Streben ist genug, um ihn von allen Sünden zu befreien. Seine Liebe zur Ganga und sein ehrliches Vertrauen in ihre Kraft machen alles andere unwichtig.“

Aus: Anjali und R. Sriram:
„Yoga und Gefühle – Mit allen Sinnen leben“, Theseus-Verlag

Quelle:
ORF Religion, 25.07.2004 07:05 - 08:00 Österreich1


12. September 2004 
 
"Guten Tag", sagte der kleine Prinz.
"Guten Tag", sagte der Händler.
Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr, zu trinken.
"Warum verkaufst du das?" fragte der kleine Prinz.
"Das ist eine große Zeitersparnis", sagte der Händler. "Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche."
"Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?"
"Man macht damit, was man will ..."
"Wenn ich dreiundfünfzig Minuten hätte", sagte der kleine Prinz, "würde ich ganz gemütlich zu einem Brunnen laufen ..."

Antoine de Saint-Exupéry


6. Juni 2004 

Jahreszeiten

Mögest du immer die Augen öffnen:
für den blühenden Frühling,
für den gedeihenden Sommer,
für den reichen Herbst,
und für den beschützenden Winter.

aus dem Buch "Möge die Freude das ganze Jahr mit dir sein"


9. Mai 2004 

Guter Hoffnung sein

Guter Hoffnung sein:

eine Zeit der Vorfreude, des Wartens
eine Zeit der Sorge, des Alleinseins

Guter Hoffnung sein:

werde ich der Aufgabe gewachsen sein?
nicht bleibt wie es ist

Guter Hoffnung sein:

Zeit der Abhängigkeit
Zeit der Angst vor dem, was kommt ...

Guter Hoffnung sein:

Hoffen auf ein Familienglück
Zeit des Segens

Guter Hoffnung sein:

Zeit des Umbruchs
neues Leben

Guter Hoffnung sein

- auf deine Hilfe will ich hoffen, mein Gott

Margit Hanzal
2004


7. März 2004 

O Gott,

Ich wollte schon immer mit dir reden, ich wollte beten, mit eigenen Worten, mit den Worten anderer, beten mit Formeln, Gebete aufsagen. Ich wollte etwas leisten vor dir, denn ich habe keine Geduld, so lange zu hören, und du brauchst oft so lange, bis du dich aussprichst in mir, bis du ankommst mit deiner Stimme.

Vielleicht ist es, weil ich so weit weg bin und so verstrickt in meine Sorgen.

Bis sie abklingen, meine Gedanken, bis sie sich langsam zurückziehen, braucht es lange, und da fehlt mir die Geduld.

O Gott, es fehlt mir die Geduld, mich aufzutun.

Doch ab und zu hast du mich überrascht.

Ich bin einfach nur dagesessen und hatte keine Lust zum Reden, und ich war einfach offen.

Ich war einfach nur da, und ich tat nichts, gar nichts, ich wartete nur.

Da erfuhr ich, wie schön es ist, wenn du BIST.

Ich hatte es vorher nicht erfahren, solange ich nicht begriffen hatte, was beten ist.

Beten ist nicht Worte machen.

Beten ist stilles Lieben und sich lieben lassen;

Beten ist hören und spüren, dass du nahe bist, o Gott.

Martin Gutl
Aus „Ich wollte schon immer mit dir reden“
Meditationstexte Josef Dirnbeck und Martin Gutl
Styria Verlag 1980.
ISBN 3-222-11148-0


7. Dezember 2003 

Ihm den Weg bereiten

Weil die Menschen ihn nicht kennen, muß er bekannt gemacht werden. Das ist unsere Aufgabe als Christen. Das ist unsere Würde. Und gerade diese Würde macht uns bescheiden. Wir haben unsere Stimme einzusetzen und sonst nichts. Er allein kann sie zum Träger seines Wortes machen. Wir taufen, wie Johannes, mit Wasser. Er tauft mit dem Heiligen Geist. Wir teilen Wein und Brot aus. Er gewährt uns seine Gegenwart.

Das ist unsere Würde: Unsere Stimme einzubringen, ihm den Weg zu bereiten. Daß er dann auf diesem Weg kommt, können wir nicht erzwingen, nicht einmal ermöglichen. Wir können, wie die Leute von Jerusalem, ihm unsere Kleider vor die Füße legen - ob er darübergeht, ist seine Sache.

Was heißt das: ihm den Weg bereiten? Zuerst: Von ihm reden; die Menschen locken, sich ihm anzuvertrauen; Mut machen, mit ihm umzukehren und neu anzufangen. Mehr können wir nicht, als Zeichen sein. Wir setzen unser bißchen Liebe als Zeichen für seine Liebe, mit der er uns sucht. Wir setzen unsere armselige Gemeinschaft als Zeichen dafür, daß er durch den Heiligen Geist eine Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg stiftet.

Albrecht Schönherr


2. November 2003 

Meditation (nach "Spuren eines Weges", von Florian Kuntner)
Gerade wenn es um den Tod geht, fehlen uns oft die Worte und es ist besser zu schweigen als auf leere Phrasen zurückzugreifen.Wir haben nicht auf alles und jedes eine Antwort, auch Christus ist mit einer Frage - einem Schrei - am Kreuz gestorben.

Protest gegen den Tod (nach einem Gedicht von Kurt Marti)
dem herrn unserm gott
hat es ganz und gar nicht gefallen
dass gustav e. lips
durch einen verkehrsunfall starb

erstens war er zu jung
zweitens seiner frau ein zärtlicher mann
drittens zwei kindern ein lustiger vater
viertens den freunden ein guter freund
fünftens erfüllt von vielen Ideen

was soll jetzt ohne ihn werden?
was ist seine frau ohne ihn?
wer spielt mit den kindern?
wer ersetzt einen freund?
wer hat die neuen ideen?

dem herrn unserm gott
hat es ganz und gar nicht gefallen
dass einige von euch dachten
es habe ihm solches gefallen

im namen dessen der tote erweckte
im namen des toten der auferstand:
wir protestieren gegen den tod von gustav e. lips.


5. Oktober 2003 

Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen.

unschuldig, wie ein Kind
lächelnd, wie ein Kind
verletzlich, wie ein Kind
liebesbedürftig, schonungslos, verspielt wie ein Kind

vertrauend wie ein Kind
nicht beladen mit Vorurteilen und Schuld, wie ein Kind
voll Neugier, Lebensfreude, Hoffnung und Treue, wie ein Kind
offen für alles, wie ein Kind

den Lebensweg kompromisslos in Richtung Reich Gottes gehen, wie ein Kind.

Wie ein Kind der Stimme des Herzens folgen und zu ihm kommen,
damit er uns segnend seine Hände auflegt.

Susanne Urteil


7. September 2003 


EFFATA

SEHEN UND HÖREN,
WAS WIRKLICH IST - 
NICHT, WAS SEIN SOLLTE.

SAGEN, WAS ICH DENKE -
NICHT, WAS ICH DENKEN SOLLTE.

FÜHLEN, WAS ICH WIRKLICH FÜHLE -
NICHT, WAS ICH FÜHLEN SOLLTE.

FORDERN, WAS ICH MÖCHTE -
NICHT IMMER AUF ERLAUBNIS WARTE
N.

RISIKEN EINGEHEN -
OHNE  MICH IMMER ERST ABZUSICHERN.

"

Virginia Satir


2. März 2003 - Faschingssonntag
 
Eine Versammlung von Pastoren. Vor dem Mittagessen stehen alle hinter ihren Stühlen, die Häupter einige Sekunden andächtig gesenkt. Dann gibt der Dekan das Zeichen zum Platznehmen. Da fragt der eine der Pastoren seinen Nachbarn: “Sagen Sie, Herr Amtsbruder, wie weit zählen Sie gewöhnlich beim Tischgebet?“ Darauf der andere: „Ich zähle bis 25; es gibt aber etliche, die zählen bis 35 – aber das finde ich scheinheilig.“

„Meine lieben Gläubigen“, beginnt der Pfarrer seine Predigt, „ich habe euch letzten Sonntag mitgeteilt, dass ich heute über die Sünde der Lüge zu sprechen gedenke, und euch deshalb gebeten, zur Vorbereitung das 17. Kapitel des Markus-Evangeliums zu lesen. Wer dies getan hat, der möge die Hand heben.“ Die Kirche ist ein Wald erhobener Hände. „Da seht ihr, meine Lieben“, fährt der Pfarrer fort, „wie berechtigt mein heutiges Predigtthema ist. Das Evangelium nach Markus hat nämlich nur 16 Kapitel.“

Ein Missionar wandert fürbass durch die afrikanische Wüste. Da kommen zwei hungrige Löwen brüllend auf ihn zugesprungen. Der Missionar schließt die Augen, faltet die Hände und betet: „Lieber Gott, mach, dass aus diesen Löwen fromme Christen werden!“ Als er die Augen öffnet, knien beide Löwen vor ihm im Sand, haben die Pranken zusammengelegt und beten: „Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was Du uns bescheret hast.“

Ein  Protestant und ein Katholik brüsten sich mit ihrer geistlichen Verwandtschaft. „Mein Großvater war Superintendent“, sagt der Protestant, „und alle sagten „Hochwürden“ zu ihm.“ „Was ist das schon?“ sagt der Katholik. „Mein Onkel ist Kardinal, und man muss „Euer Eminenz“ zu ihm sagen.“ „Was heißt schon „Eminenz“?“ sagt ein Jude, der sich das angehört hat. „Wenn meine Großtante zu Besuch kommt, dann rufen alle: Gott der Gerechte!“

Isidor Mandelbaum hat eine Geschäftsreise nach Lourdes gemacht. Bei der Rückfahrt kontrolliert an der Grenze der Zollbeamte sein Gepäck. „Was haben sie in dieser Flasche?“ fragt er barsch. „No was wird ich haben? Lourdeswasser hab´ ich drin“, sagt Mandelbaum in aller Seelenruhe. Doch der Zollbeamte traut dem Frieden nicht. „Machen Sie die Flasche bitte einmal auf“, sagt er. Mandelbaum öffnet die Flasche, der Beamte riecht daran und stellt empört fest: „Das ist ja echter französischer Cognac!“ „Gott der Gerechte!“ sagt Mandelbaum hingerissen, „schon wieder a Wunder!“

Aus: Bemmann Hans (Hrsg.), Schubert Dietmar (Cartoons), Heer Friedrich (Einführung): Der klerikale Witz. Water-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 2. Aufl. 1970


12. Jänner 2003
 
Komm in unsere Mitte, Herr,
Wenn wir aus Furcht vor den Menschen
hinter verschlossenen Türen sitzen;
kleingläubig die Argumente hin- und herwenden,
von unseren Zweifeln nicht loskommen.

Lass uns Deiner sicher werden,
dass wir wagen, die Türen zu öffnen
für alle, die Heimat brauchen und Halt.
Dass wir hinausgehen zu denen draußen,
die, allein mit ihren Nöten
darauf warten, dass einer sie finde.

Bleib uns nah, dass wir Deinen Geist
nicht vergeblich empfangen haben:
den Geist,
der nicht Recht haben und behalten will,
der Schuld vergibt und vergisst,
den Geist,
der lehrt, Leben zu teilen,
und Frieden möglich macht.

 


1. Dezember 2002
 
Zeit zum Freuen
Gott, wir danken dir für die schöne Zeit
die jetzt wieder vor uns liegt.
Die Adventszeit ist eine Zeit zum Freuen.
Besondere Düfte und Klänge liegen in der Luft.
Heimlichkeiten lassen unsere Herzen höher schlagen,
Kerzen und besinnliche Stunden am Adventkranz
laden ein zum Erzählen, Nachdenken und Träumen.
Wir wünschen uns, dass die vielen Lichter,
die wir sehen, auch etwas bewirken
an uns und an unserem Umgang miteinander.
Dass Du, Gott, wieder mehr Platz findest in unseren Herzen,
in unserem Alltag, in unseren Beziehungen,
dass sie uns auf die Spur bringen zu hoffen,
zu träumen und zu kämpfen für andere Menschen,
für die diese Welt.
Lass uns dein Licht erleben - heute, morgen
und in der Zeit, die vor uns liegt.

 


3. November 2002
 

O Herr, mache mich zum Werkzeug
Deines Friedens,
dass ich Liebe übe,
wo man sich hasst;
dass ich verstehe,
wo man sich beleidigt;
dass ich verbinde,
wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage,
wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe
wo der Zweifel drückt;
dass ich die Hoffnung wecke,
wo die Verzweiflung quält
dass ich Licht anzünde
wo die Finsternis regiert

 


6. Oktober 2002

Erntedank

Für Christus die Saat,
für Christus die Ernte,
in seine Scheune
möge Christus uns bringen.

Für Christus das Meer,
für Christus die Fische,
in seinen Netzen
möge Christus uns fangen.

Von der Geburt bis zum Alter,
vom Alter zum Tod,
in Christi Armen
sind wir geborgen.

(Irischer Segenswunsch)


8. September 2002

Miteinander reden
aufeinander hören
zueinander kommen
 
einander suchen
ernst nehmen
Gutes zutrauen
eine Chance geben
 
voneinander lernen
füreinander einstehen
einander festhalten
miteinander loben und danken
 
einander nicht
aus den Augen verlieren
allein lassen
aufgeben
verurteilen
ausschließen
 
einander
an der Hand nehmen
kennenlernen
aufhelfen
nicht vergessen
Gutes sagen
 
es jeden Tag neu versuchen

(Meßbuch 2002, Bistümer des dt. Sprachgebietes, Dt. liturgisches Institut. Verlag Butzon & Bercker, Münster 2002)


2. Juni 2002

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich mehr Fehler machen. Ich würde den Dingen ihren Lauf lassen und mehr Unfug treiben als beim ersten Durchgang, würde nicht so viel auf meine Gesundheit achten, mehr reisen. Ich würde mehr Eis essen und weniger Spinat, mehr echte und weniger eingebildete Sorgen haben.

Ich bin einer von denen, die jede Stunde genau einteilen. Natürlich habe ich auch mal über die Stränge geschlagen, aber wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte, würde ich es öfter tun. Ich nehme auf alle meine Reisen ein Thermometer, Regenmantel und Schirm und eine Landkarte mit. Das würde ich nicht mehr machen.

Könnte ich mein Leben noch einmal leben, würde ich früher im Jahr anfangen, barfuss zu laufen, und später im Herbst damit aufhören. Ich hätte mehr Hunde, ginge später schlafen, hätte mehr Freundinnen und würde mehr Karussell fahren. In einer Welt, in der alles so ernst genommen wird, würde ich altes auf die leichte Schulter nehmen.

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich mehr Gänseblümchen pflücken.
 


5. Mai 2002

Fürbitten:

Zu Jesus Christus, als dessen Gemeinschaft wir hier versammelt sind, beten wir:

1. "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten" - Herr, mache uns bereit, auf die Gebote Gottes zu hören!

2. "Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch!" - Herr, lass uns den Plänen Gottes vertrauen, anstatt uns von unserer Angst beherrschen zu lassen!

3. "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt" - Herr, mach uns die Verantwortung bewusst, Gottes Wort nicht nur weiterzusagen, sondern auch in die Tat umzusetzen!

4. "Wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden" - Herr, hilf uns, nicht vorschnell mit dem Schicksal zu hadern, wenn wir den Lohn für unsere Mühen nicht gleich erkennen!

5. "Und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren" - Herr, hilf uns, die Berufung zur Gemeinschaft mit Christus auch für unsere Umgebung erlebbar zu machen!

Denn du bist der Herr unseres Lebens. Dir vertrauen wir auf all unseren Wegen. Dich preisen wir in Ewigkeit - Amen.

Meditation:

"Und ich werde den Vater bitten, und er wird Euch einen Beistand geben, der für immer bei Euch bleiben soll."

Haben wir einen Beistand? Brauchen wir einen Beistand? Ja so einen kleinen Schutzengel, den können wir schon manchmal brauchen. z. B. wenn wir beim Schifahren einen kapitalen Sturz bauen oder in der Schule nicht beim Schummeln erwischt werden wollen. Einen richtigen Beistand brauchen wir, wenn es uns wirklich schlecht geht, wenn wir am Ende unserer Weisheit sind, z. B. wenn wir ernsthaft erkranken oder einen lieben Menschen verlieren. Aber verstehen wir den lieben Gott dann auch, wenn wir vorher nie mit ihm gesprochen und ihn nicht erfahren haben?

Wer weiß, vielleicht ist dieser Beistand gar nicht nur für außergewöhnliche Situationen, vielleicht ist er auch "alltagstauglich"?

Herr, sei Du bei mir jeden Tag und jede Stunde und lass mich spüren, wie du mit mir sprichst:
atme in mir, wenn mir die Luft ausgeht
weise mich an, wenn ich ratlos bin
gib mir Mut, wenn ich zurückweiche und
treibe mich an, wenn ich gleichgültig werde.


7. April 2002

Meditation:

Noah Ben Shea erzählt von Jakob, dem Bäcker. Jakob ist ein einfacher Mann. Doch er hat stets eine treffende und originelle Antwort auf die kleinen Fragen des Lebens.

BETEN ZEIGT UNS DEN WEG, WO ES KEINEN GIBT

Eine Frage juckte ein Kind wie ein Stich.
"Jakob, ich verstehe nicht, wie du entscheidest, ob du das befolgen sollst, was du als richtig empfindest, oder das, wovon du denkst, daß es richtig sei?"
Jakob faßte sich an die Brust und sagte: "Mein Herz weiß, was mein Verstand nur zu wissen glaubt."
Die Antwort veranlaßte den Jungen zu einer neuen Frage.
"Und wenn weder mein Herz noch mein Verstand mir helfen kann, den richtigen Weg zu finden?"
Und Jakob antwortete: "Beten zeigt uns den Weg, wo es keinen gibt."

(aus dem Buch "Einfache Wahrheiten für eine schwierige Welt" von Noah Ben Shea)


3. März 2002


Kyrie-Rufe:

Jesus, du hast gesagt:
"Ich will euch lebenspendendes Wasser geben"
Wir aber verlangen nach Besitz und Macht.

Jesus, du möchtest, dass wir zu sprudelnden Quellen werden.
Wir aber fühlen uns ausgebrannt durch unseren Alltag.

Jesus, du sprichst zu allen Menschen ohne Unterschied der Person.
Wir aber grenzen immer wieder andere aus.

Meditation:

Durststrecken
Er,
Der den Tempel
Niederreißen
Und in drei Tagen
Wieder aufbauen könnte
Sagt
Ihn dürste

Er, der Macht sogar
über Blinde und Lahme
besaß
sagt
ihn dürste

Er, der Wasser zu Wein machte
Und Wein zu seinem Blut
Der sagt
Ihn dürste

Der,
Dem alle Macht gegeben ist
Nimmt sie sich nicht heraus
Der,
Dem so dürstet
Nach Frieden und Gerechtigkeit
Nimmt in Kauf
Dass es damit immer noch
Essig ist


20. Jänner 2002


Lesung:

Xaverl und die Hundehütte
Im Zaun zum Nachbargarten ist eine Lücke, gerade so breit, dass Xaverl durchschlüpfen kann. Gleich hinter dem Zaun zwischen den Fliederbüschen steht eine Hundehütte. Sie wird seit Jahren nicht mehr gebraucht.
Der Nachbar hat zum Xaverl vor Jahren gesagt: "Ich reiß sie ab - außer, du hättest sie gern zum Spielen."
"Nicht abreißen!" Hat Xaverl gebeten.
Zum Spielen braucht er die Hundehütte jetzt nicht mehr.
Aber zum Alleinsein. Hier schaut ihm niemand zu, wenn er nachdenken will. Hier ist ein gutes Versteck wenn er traurig ist. Der Fußboden ist aus Holz, eine harte Unterlage für Xaverl, wenn er sich auf den Rücken rollt und sich so klein macht, dass er genau wie früher in die Hundehütte passt. Über manches kann er hier besser nachdenken als zu Hause im weichen Bett.
Heute will der Xaverl aber nicht einmal nachdenken. Er will nicht daran denken, dass die Schularbeit, die er heute geschrieben hat, wahrscheinlich voll daneben gegangen ist.
Er will nicht daran denken, dass die Lisi nicht auf seine Party geht, nur weil er das letzte Mal vergessen hat sie anzurufen und einzuladen.
Er will nicht darüber grübeln, woran es liegt, dass ihm diesmal rein gar nichts gelungen ist. Er kommt sich müde und klein und jämmerlich vor, zu nichts zu gebrauchen. Er will sich nur ausruhen.
"Lieber Gott!", fragt Xaverl, "Bist du da?"
"Ja, ich bin jetzt da", sagt der liebe Gott.
"Ich wäre jetzt aber viel lieber allein", sagt Xaverl, "Ich halt's im Moment nicht aus, dass da einer bei mir ist und etwas will von mir und mich festhält."
"Ich halte dich nicht fest," sagt der liebe Gott, "Ich störe dich nicht. Ruh dich nur aus, ich halt derweil die Hundehütte."

Lene Mayer-Skumanz

Meditation:

Heute noch
Heute noch miteinander reden.
Zurückgehen,
das Gespräch von neuem beginnen.
Morgen könnte einer von uns tot,
stumm,
blind,
gelähmt sein.
Heute noch zurückgehen,
noch einmal hören,
sich überwinden,
verzeihen,
das Urteil über einen Menschen aufheben.
Heute noch,
die Sonne wird über zwei Versöhnten untergehen.


13. Jänner 2002


Gott allein kann den Gauben schenken,
aber du kannst Zeugnis davon geben.
Gott allein kann Hoffnung schenken,
aber du kannst unter deinen Schwestern und Brüdern Vertrauen schaffen.
Gott allein kann Liebe schenken,
aber du kannst lernen, den Nächsten zu lieben.

Gott allein kann Frieden schenken,
aber du kannst Eintracht säen.
Gott allein kann Kraft schenken,
aber du kannst verlorenen Mut abfangen.
Gott allein ist der Weg,
aber du kannst ihn den anderen weisen.
Gott allein ist das Licht,
aber du kannst es aufscheinen helfen in den Augen aller.
Gott allein ist das Leben,
aber du kannst den anderen ihren tiefsten Lebenswunsch deutlich machen.

Gott allein kann möglich machen, was unmöglich erscheint,
aber du wirst das Mögliche tun.
Gott allein genügt sich selbst,
aber er bevorzugt es, auf dich zu zählen.

Gebet einer Basisgemeinde aus Campinas/Brasilien


5. Mai 2001

Geschwisterliche Kirche

Diese neue Gestalt der Kirche hat viel Ähnlichkeit mit den Ursprungsgemeinden. Diese neue Gestalt kann aber nicht durch "kirchliche Regression" entstehen, sondern durch einen schmerzlichen Reifungsschritt der Kirche.

Es wird eine Kirche, in der zunächst alle wieder Brüder und Schwestern sind, in der nicht die Pastoralexperten allein das Sagen haben. Es wird eine Kirche sein, die sich in überschaubaren Gemeinden ereignet, wenngleich sie sich auch nicht in diesen erschöpft.

Es ist eine Kirche, in der sich alle berufen wissen, zum Leben und Wirken ihrer Gemeinden beizutragen. Es ist eine Kirche, die arm ist, die ihren Reichtum nicht mehr für sich selbst verwendet, um den Skandal zu überwinden, dass an dem einen Tisch des Herrn wir, die Satten, und so viele verhungernde Christen der einen Weltkirche sitzen! Es ist schließlich eine Kirche, in der es sehr wohl auch andere Ämter gibt, nicht nur das Amt des Priesters.

Es werden andere gemeindeerfahrene Männer und auch Frauen kirchliche Ämter übernehmen, wenn es keinen Klerikalismus mehr gibt: Früher würde ich es den Frauen auch gar nicht wünschen. Die Kirche der Zukunft wird kein Ofen sein, der sich selbst wärmt, sondern wird Wärme, Hoffnung, Ermutigung in die Menschen ausstrahlen, weil sie entschlossen auf die Seite derer getreten ist, deren Lebenschancen zum Leben nicht ausreichen.

Im übrigen hat auch nur solch eine Kirche Zukunft.

Paul M. Zulehner


1. April 2001


Als er noch in der Volksschule war, hatte ihnen die Religionslehrerin immer von den Engeln erzählt. "Jeder hat einen oder sogar mehrere", hieß es da. Eine Zeitlang hatte Markus versucht, so lange mit halb geöffneten Augen in den Spiegel zu starren, bis er irgendetwas Wolkenähnliches um ihn herum sah. Er war sich sicher, dass er eine Menge kleiner Engel um sich hatte und stellte sie sich wie die gelben Legomännchen mit Schirmkappen und Werkzeug vor. So wie die Barockengerln über der Kommode bei der Oma sahen seine Engel bestimmt nicht aus. Die waren ihm nämlich immer unsympathisch gewesen, mit den dicken Backen, dem Grinsen und dem Busenansatz. Seine Engel waren anders, männlicher und wahrscheinlich auch stärker.

Aus dem Buch "Fensterplatz in Fahrtrichtung" von Selma Ram


4. Februar 2001

Ein Fasten wie ich es liebe ...

Ist das ein Fasten, wie ich es liebe?
Ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht:
Wenn man den Kopf hängen lässt,
so wie eine Binse sich neigt, 
wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt

    NEIN !!

DAS ist ein Fasten, wie ich es liebe:
Die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
die Versklaven freizulassen,
jedes Joch zu brechen,
an die Hungrigen dein Brot auszuteilen,
die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
und dich deiner Verwandten nicht zu entziehen.

Dann wird dein Licht hervorbrechen
wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben.
Deine Gerechtigkeit geht dir voran,
dei Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist, wird er dir sagen:

    HIER BIN ICH

Jesaja, Kapitel 58


4. Februar 2001


Ich glaube an Gott,
so wie ein blinder an die Sonne glaubt,
nicht weil er sie sieht,
sondern weil er sie fühlt.

Ich spüre das Geheimnis jeden Tag tief in mir selbst und in allem, was mich umgibt.
 Wenn ich einen Menschen sehe, auch wenn es ein gebrochener Mensch ist,
dann glaube ich an ein Wesen, das größer ist als der Mensch.

 aus "Liebe wirkt täglich Wunder" von Phil Bosmans)


7. Jänner 2001

Fürbitten

Wir danken Christus, dem Herrn, der den Frieden Gottes zu uns Menschen gebracht hat, und bitten ihn aus ganzem Herzen:

  • Gib allen Eltern die Kraft, ihre Kinder in Liebe und Geduld zu erziehen, so wie es Maria und Josef an Jesus getan haben.
  • Wenn Eltern ihr Kind zur Taufe zu Dir bringen, gib ihnen Mut und Vertrauen, dass sie ihr Kind im christlichen Glauben leiten und führen können, auch wenn es manchmal sehr schwer ist.
  • Gib den getauften jungen Christen die Zuversicht und den Geist Deiner Treue, dass sie sich in dieser heutigen Welt zu Dir bekennen können.
  • Führe die mutlos gewordenen und enttäuschten Mitglieder Deiner Kirche zu der Erkenntnis, dass sie nicht aufgeben sollen, und gib ihnen die Kraft zu einem Neubeginn.
  • Schenke allen Kranken und Leidenden, sowie allen einsamen und verlassenen Menschen das Vertrauen und die Hoffnung, dass es auch heute noch Menschen gibt, die ihnen helfen wollen.

Herr und Gott, Du hast jeden einzelnen dazu berufen, Deine Güte, Deine Liebe und Deine Barmherzigkeit zu bezeugen, auch in unserer heutigen Welt. Gib uns Deinen Geist, der seit unserer Taufe in uns wirkt, mit auf den Weg um Deinen Auftrag zu erfüllen.



Meditation

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben,
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsren aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Lass warm und still die Kerzen heute flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
für, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer


3. Dezember 2000

Und das Wort ist Fleisch geworden

"Wär' Christus tausendmal in Betlehem geboren und nicht in dir, du bliebst noch ewiglich verloren."Angelus Silesius

I.

Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt:

Und das Wort
ist nicht Wort geblieben,
sondern Fleisch geworden.
Und das Evangelium
ist nicht Theorie geblieben,
sondern Praxis geworden.
Und der Glaube
ist nicht Utopie geblieben,
sondern gelebt worden.
Und die Hoffnung
ist nicht Phantasie geblieben,
sondern verwirklicht worden.
Und Gott
ist nicht abstrakt geblieben,
sondern Mensch geworden.

II.

Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt:

Und das Wort
geht den Weg
allen Fleisches.
Und das Evangelium
wird zu Papier,
und der Glaube
zum Lippenbekenntnis,
und die Hoffnung
zu Illusion,
und Gott
zu Philosophie.

III.

Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt:

Und das Wort wird Fleisch werden,
wenn wir es unter uns
wohnen lassen,
und wir werden
seine Herrlichkeit schauen,
die Herrlichkeit
des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.

aus Josef Dirnbeck, Martin Gutl: Ich wollte schon immer mit dir reden


5. November 2000

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
der den Himmel und die Erde erschaffen hat.
Von dir kommt alles, was ist:
Die Sonne, die Wiese, die Vögel, die Blumen, die Menschen, ...
du hast mich erschaffen, weil du mich liebst.

Ich glaube an dich, ich vertraue dir.

Ich glaube an Jesus,
der die Menschen gerufen, gesund gemacht
und der die Schuld vergeben hat.
Und der es auch heute noch tut.
Ich glaube an Jesus,
der gekreuzigt wurde, der gestorben ist
und der auferstanden ist - für mich.

Ich glaube an dich, ich vertraue dir.

Du kennst mein Leben, du gabst es mir.
Du willst, dass ich glücklich bin, und du hast versprochen,
dass ich durch dich das volle Leben haben werde.

Ich glaube an dich, ich vertraue dir.

Ich glaube an den heiligen Geist.
Du atmest und lebst in mir.
Durch dich kann ich glauben.
Durch dich kann ich lieben.
Du bewegst mein Herz und bewirkst das Gute in mir.

Ich glaube an dich, ich vertraue dir.

Ich glaube an die Kirch, weil du in ihr gegenwärtig bist.
Ich selbst bin diese Kirche und bin berufen,
sie lebendig zu gestalten.

Ich glaube an dich, ich vertraue dir.

Ich glaube daran,
das du - guter Gott - immer bei mir bist,
heute und morgen und auch wenn ich sterbe.

Ja, ich glaube an dich und ich vertraue dir,
weil du mich geschaffen hast und
weil du mich bedingungslos annimmst und mich liebst,
so wie ich bin.

Amen
 

Sr. Amata Rindler, Salvatorianerin


8. Oktober 2000

Fürbitten

Guter Gott: wir sind so oft unsicher, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Du hast uns Deine Hilfe versprochen.
So bitten wir Dich:

Hilf allen Menschen die unsicher in ihrem Glauben sind und zweifeln. Gib, dass sie Menschen kennenlernen, die ihnen wieder Hoffnung geben, dass Du sie liebst und nicht fallen lässt.

Heutzutage scheitern viele Beziehungen, sei es aus Schuld oder an den Lebensumständen, oder aus vielen anderen Gründe. Schenke diesen Menschen viel Kraft und Mut ein neues Leben zu beginnen ohne sich schuldig zu fühlen.

Mache die Verantwortlichen in der Kirche endlich einsichtig, dass Geschiedene und Wiederverheiratete keine Sünder oder Mensche zweiter Klasse sind, sondern ebenso Deine Kinder, die Deine Liebe und Barmherzigkeit besonders brauchen. Wir Menschen dürfen sie ihnen nicht verwehren.

Gib den Ehepaaren, ob sie lang oder erst kurz verheiratet sind, die Kraft einander in Krisenzeiten auszuhalten und sich trotz allem zu lieben.

Jesus, Du bist Mensch und Gott, Du kennst unsere Schwächen, unsere Ängste und Kleinmütigkeiten. Mit Deiner Hilfe wollen wir daran arbeiten und versuchen, sie zu überwinden.
Amen.



Meditation

TATSACHEN

Wächst ein Kind mit Kritik auf - lernt es, zu verurteilen!

Wächst ein Kind mit Hass auf - lernt es, zu kämpfen!

Wächst ein Kind mit Spott auf - lernt es, scheu zu sein!

Wächst ein Kind mit Schmach auf - lernt es, sich schuldig zu fühlen!

Wächst ein Kind mit Toleranz auf - lernt es, geduldig zu sein!

Wächst ein Kind mit Ermutigung auf - lernt es, selbstsicher zu sein!

Wächst ein Kind mit Lob auf - lernt es, dankbar zu sein!

Wächst ein Kind mit Aufrichtigkeit auf - lernt es, gerecht zu sein!

Wächst ein Kind mit Sicherheit auf - lernt es, zuversichtlich zu sein!

Wächst ein Kind mit Anerkennung auf - lernt es, sich selbst zu schätzen!

Wächst ein Kind mit Güte und Freundlichkeit auf - lernt es, die Welt zu lieben!

FAZIT

Mit Einer Kindheit Voll Liebe Kann Man Es Ein Ganzes Leben Lang AUSHALTEN!

Jean Paul Satre


4. Juni 2000

Dein Glaube hat dir geholfen

1.

Dein Gaube
hat dir geholfen!
Dein Geld,
deine Autos,
deine Stereoanlagen
haben dir nicht geholfen!

Dein Glaube
hat dir geholfen!
Deine Posten,
deine Pfründe,
deine Wertpapiere
haben dir nicht geholfen!

Dein Glaube
hat dir geholfen!
Deine Jugendträume,
deine Ideale,
deine Luftschlösser
haben dir nicht geholfen!

Wenn du alles verlässt
und dich auf Gott verlässt,
wird dir dein Glaube helfen!


2.

Dein Glaube
hat dir geholfen,
deine Dogmen nicht!

Und hättest du auch
die schönste Theologie,
die herrlichsten Dogmen,
die redlichste Konfession,
den tadellosesten Taufschein,
aber hättest keinen Glauben:
es nützte dir nichts!

Wenn du alles verlässt
und dich auf Gott verlässt,
wird dir dein Glaube helfen!

aus Josef Dirnbeck, Martin Gutl: Ich wollte schon immer mit dir reden


2. April 2000

Jesus ist

das Wort, das ich sprechen will,

die Wahrheit, die ich verkünden will,

der Weg, den ich gehen will,

das Licht, das ich anzünden will,

das Leben, das ich leben will,

die Liebe, die ich ausstrahlen will,

die Freude, die ich geben will,

der Friede, den ich bringen will.

Mutter Teresa

5. März 2000


Vater,

du bist nicht an erste Stelle unser Richter und Herr,

sondern unser Vater
denn Du hörst das Schreien deiner unterdrückten Kinder.

Du bist im Himmel,
wohin wir im Kampf unseren Blick richten.

GEHEILIGT
werde dein befreiendes Eingreifen gegen die, die in Deinem Namen
die Menschen unterdrücken.

Es komme zu uns,
angefangen mit den Verarmten, deine Gerechtigkeit.
Es geschehe die Freiheit durch Dich,
angefangen auf der Erde bis in den Himmel,

DAS TÄGLICHE BROT,
das wir gemeinsam essen.

Vergib uns unseren Egoismus in dem Maße,
in dem wir den kollektiven Egoismus bekämpfen.

UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG,
die Menschen auszubeuten,
um Reichtum anzuhäufen.

Sondern befreie uns
von der Rache und dem Hass gegen den Bösen,
der unterdrückt und erdrückt.

AMEN

Leonardo Boff


13. Februar 2000


Was machst du mit deinen Händen?

 Auf meinem Weg zur Kirche wurde ich von einem Bettler angehalten.
Seine entzündeten, tränenden Augen, die blauen Lippen, die abgetragene
zerschlissene Kleidung und zerfransten Hosen boten ein abstoßendes
Bild des Elends, in welches dieser Mann herabgesunken war.
Er streckte mir seine rote, aufgeschwollene, schmutzige Hand
entgegen, jammernd bat er um ein Almosen. Ich durchwühlte meine
Taschen. Weder Geldbeutel noch Uhr, nicht einmal ein Taschentuch
hatte ich darin. Ich hatte gar nichts bei mir. Der Bettler wartete. Seine
Hand bewegte sich ruckweise, ganz schwach. Ganz bestürzt wusste ich
nicht was ich anfangen sollte und drückte ihm fest die schmutzige,
zitternde Hand. "Sei mir nicht böse Bruder, ich habe nichts bei mir!"
Seine roten Augen und seine blauen Lippen verzogen sich zu einem
Lächeln, und er drückte mir die kalten Finger. "Sei nicht traurig
Bruder!" sagte er mit rauher Stimme, "der Druck deiner Hand ist auch
eine Gabe!"

lwan Turgenjew


9. Jänner 2000


Christliche Vorsätze

Es fällt uns nicht schwer, Herr, 
Dich um Frieden zu bitten für alle Völker der Erde,
um Regen für trockenes Land,
um Reis und Brot für alle.
Es fällt uns nicht schwer, 
für Freiheit einzustehen und gegen Gewalt,
für Recht auf Heimat und Menschenwürde.
Es fällt uns nicht schwer, auf das Recht auf Leben zu pochen
und für das Altern in Würde zu plädieren.

Es fällt uns schwer, Herr, 
in Frieden zu leben mit unseren Nachbarn,
das erste Wort zu sagen nach langem Streit,
die Wohnung und das Haus zu teilen mit einem Heimatlosen,
dem Bittenden zu leihen - zum zweiten oder dritten Mal zu geben.

Komm in unsere Mitte, Herr,
wenn wir aus Furcht vor den Menschen hinter verschlossenen Türen sitzen,
kleingläubig die Argumente hin- und herwenden,
von unseren Zweifeln nicht loskommen.


5. Dezember 1999


Gott ist Mensch geworden?

Gott wird Mensch. Wo?
Nur in Betlehem?
Hoffentlich nicht nur dort.
Wo aber sonst noch?
Überall? Hoffentlich.

Gott wird Mensch. Wie?
Als Krippenkind?
Hoffentlich nicht nur so.
Wie aber dann noch?
Hoffentlich in jedem von uns.

Gott wird Mensch. Wann?
Zu Weihnachten?
Hoffentlich nicht nur.
Wann aber noch?
Jederzeit? Jeden Tag?

Gott wurde Mensch. Warum?
Aus Erbarmen?
Sicherlich. Aber nicht nur darum.
Warum aber dann noch?
Damit WIR Gott ähnlicher werden.

Barbara Tichy


7. November 1999


Keine Zeit

Die Lüge beginnt mit dem Wort:
"Ich habe keine Zeit."
Ich habe keine Zeit,
in mich hinein zu horchen,
keine Zeit,
mit mir allein zu sein,
keine Zeit,
auf mich einzugehen,
keine Zeit,
an mir zu arbeiten.
Ich sage statt dessen:
"Ich bin eben so."
Ich habe keine Zeit,
auf meinen Partner zu hören,
keine Zeit,
den Klang seiner Worte aufzunehmen,
keine Zeit,
die Ursachen der Krise kennen zu lernen,
keine Zeit,
mir zu überlegen, was ich sage.
Ich sage statt dessen:
"Ich bin eben so."
Ich habe keine Zeit,
Lügner und Scharlatane zu entlarven,
keine Zeit,
die Natur zu betrachten,
keine Zeit,
Gott zu spüren.
Die Lüge beginnt mit dem Wort:
"Ich habe keine Zeit"
Die Wahrheit ist:
Ich habe Zeit.
Die Wahrheit ist:
Ich habe keinen Mut.

aus Josef Dirnbeck, Martin Gutl: Ich wollte schon immer mit dir reden

       

Meditationstexte ab 2006
       

 


jk

Seite ausdrucken

zum Seitenanfang

zur Homepage von St. Leopold, Klosterneuburg